Kategorie: Fundstücke

Alles Gold in Burma?

Von: Martin Wein

An die karierten Wickelröcke für Männer müsse man sich ebenso gewöhnen wie an das Verkehrschaos in der Fünf-Millionen-Metropole Yangon. Und die burmesische Küche sei nicht ohne Grund international kaum bekannt, findet der Fernseh-Reporter und Romancier Martin Schacht. Salat aus fermentierten Teeblättern, Nudelsuppe mit Fisch zum Frühstück und Paste aus getrockneten Garnelen gehören zu deren markanten Speisen. Andererseits eile Myanmar / Burma seit Rudyard Kiplings Berichten der Ruf der Exotik voraus. So wollten nach dem Kurswechsel der Militärdiktatur viele dorthin. „Nur zu gern und möglichst schnell möchte man Folter, Tote und Bürgerkrieg vergessen. (…) Ein notorischer Schurkenstaat ist plötzlich Everybody’s Darling“, bilanziert Südostasien-Kenner Schacht, der zeitweise im benachbarten Thailand lebt. Mit seiner Gebrauchsanweisung weist er nun westlichen Reisenden kundig und gut verständlich den Weg durch den Vielvölkerstaat mit seiner verwickelten Geschichte, Politik und Kultur. Alles was glänzt,  sei tatsächlich Gold in Burma, schreibt der Verlag nonchalant in der Umschlagklappe. Damit meinen die Verlags-Lektoren die mit hauchdünnem Blattgold überzogenen Dächer der zahllosen Tempel, Pagoden und den vergoldeten Felsen auf einer steilen Klippe. Autor Schacht dagegen bietet nach Themen und Orten sortiert einen deutlich differenzierteren Blick auf ein schwieriges Reiseziel, das man nicht ohne Vorkenntnisse bereisen sollte.  

Martin Schacht, Gebrauchsanweisung für Burma / Myanmar, Piper Verlag München 2013, 218 S. 14,99 Euro