Kategorie: Fundstücke

Brüsseler Spitzen

Von: Martin Wein

Von Magie oder Erotik der Macht ist aus Brüssel nichts bekannt. Dabei stellen dort 50 000 EU-Beamte, Abgeordnete, Lobbyisten und Praktikanten wichtige Weichen im Leben von inzwischen einer halben Milliarde EU-Bürger. Was treiben diese „Feen und Heinzelmännchen der Europablase“, die „Dealer, Liebesdiener und Aufräumer“? Der Österreicher Martin Leidenforst hat sich als freier Kolumnist im Herbst 2008 für ein Jahr auf den Weg nach Brüssel gemacht, um den Eurokraten ein Gesicht zu geben. Seine Brüsseler Spitzen sind ein moderner Abenteuer-Parcours ins Herz Europas. Über das Internetportal couchsurfing.com wurde Leidenforst Gast bei einem polyglotten polnisch-katholischen Sprachjuristen und seiner aus Brasilien stammenden, japanischstämmigen Frau. Er schlief bei einer Amerikanerin, die das Geld für ihren Europa-Aufenthalt mit Stripptease verdient hatte, oder einer Rumänin, die für einen französischen Chemie-Konzern Klinken putzt. In 50 kurzen Texten erzählt er ausgesprochen unterhaltsam von seinen Begegnungen und Erlebnissen – lebendig, augenzwinkernd, unprätentiös und mit originellen Verknüpfungen. Schließlich sei eine Nachtfahrt im Eurolines-Bus von Bratislava nach Brüssel ebenso verbindend europäisch wie ein gemütlicher Busausflug deutscher Kommissionsbeamten. 

Martin Leidenforst, Brüssel zartherb. Fünfzig Europäische Expeditionen, Picus Verlag Wien  2010, 256 S. 19,90 €
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