Kategorie: Fundstücke

Der Teufel reist im Dienstabteil

Von: Martin Wein

Aus ihrem früheren Job in der Gastronomie ist Juliane Zimmermann – der Name ist ein Pseudonym – schon einiges gewohnt. Als Schaffnerin in Fernzügen der Deutschen Bahn macht die junge Frau vom Niederrhein trotzdem immer wieder große Augen. Ein Heiratsantrag über die Bordbildschirme oder ein Leergut-sammelnder Deutsch-Professor, der mit einer gefundenen Handtasche zu seiner neuen Liebe findet, sind völlig harmlose Episoden. Da ist aber auch die Frau, die einen Schwächeanfall provoziert, weil sie gerne einen Arzt treffen will. Hinterher ist sie enttäuscht, weil sich nur ein Orthopäde meldet. Ein Blinder verliert sein Glasauge, eine Studentin ihre Ratte und der Teufel persönlich reist im Dienstabteil, bis die Bahnpolizei den Verwirrten zurück in die Psychiatrie kutschiert. Nach diversen, zumeist sarkastischen Erfahrungsberichten von Bahn-Reisenden war die Zeit wohl reif für eine Gegendarstellung in Buchform, wie Juliane Zimmermann sie geschrieben hat. Bisweilen liest sich das offensichtlich mit journalistischer Hilfe verfasste Buch wie eine Stellenanzeige des Bahn-Konzerns. Wer der immer gleichen Ansagen im IC oder ICE schon lange überdrüssig ist, der wird diese Anekdotensammlung insgesamt aber mit viel Vergnügen lesen.

Juliane Zimmermann, Der Teufel steckt im ICE. Die abgefahrensten Erlebnisse einer Zugbegleiterin, Bastei Lübbe Verlag Köln 2015, 238 S. 8,99 Euro