Ob die Passionsspiele in Oberammergau zum Pflichtprogramm des Globetrotters gehören, sei dahingestellt. Wer das verneint, findet in dem voluminösen US-Bestseller „1000 Places to see before you die“ jetzt auch in deutscher Übersetzung noch 999 andere Vorschläge für lohnenswerte Reiseziele in aller Welt.
Sieben Jahre lang hat die US-Reisejournalistin Patricia Schultz für dieses wunderbare Konvolut recherchiert. Entstanden ist ein unverbindlicher Kanon des Welttourismus. Äußerlich ähnelt das Projekt Dietrich Schwanitz Bestseller „Bildung“, nur kommt es lange nicht so dogmatisch daher, ja erscheint als schwarzweiß gedrucktes Paperback zum Spottpreis von 10 Euro geradezu unprätentiös.
Neben bekannten Sehenswürdigkeiten auf allen Kontinenten empfiehlt Schultz beispielsweise Marys Chocolatier in Brüssel, das Mittsommerfest im schwedischen Tällborg oder Bauernhofferien auf der Bitterroot Ranch in Wyoming. Ein beachtlicher Teil der Vorschläge ist Museen und Sammlungen gewidmet, deren Bedeutung jeweils prägnant begründet wird. 28 Empfehlungen liegen in Deutschland – von der Berliner Philharmonie über Lübeck, Weimar und Bamberg bis zum Bodensee. Bei den Aktiv-Empfehlungen darf eine Kutschfahrt durch Bayern zum Schloss Neuschwanstein ebenso wenig fehlen wie eine Eisbrecherreise von Spitzbergen zum Nordpol. An die feuilletonistisch einführenden Texte schließen sich jeweils Informationen zu Reisezeit, Anreise und Kontaktadressen an.
Als Reisebegleiter taugt der Band trotzdem weniger – eher schon als Appetitanreger zur Vorbereitung und gewichtiger Gegenbeweis, wenn Freunde dem begeisterten Reisenden mal wieder vorhalten, nun habe er sicher bald alles gesehen. Wer die Tipps aus dieses Buches in Lebensfrist „abarbeiten“ will, der sollte sich jedenfalls schleunigst auf die Socken machen.
Patricia Schultz, 1000 Places to see before you die. Die Lebensliste für den Weltreisenden, Könemann Verlag, Königswinter 2006, 946 S., 10,00 €