Kategorie: Fundstücke

Grenz-Gänge in Israel und Palästina

Von: Martin Wein

In der Altstadt Jerusalems wollte Martin Schäuble unbedingt dasselbe Hotelzimmer beziehen wie einst Mark Twain. Doch an der Rezeption des altgedienten Petra Hostels verstand man ihn nicht. „Er übernachtet nicht mehr hier“, erklärte der junge Rezeptionist nach einem Blick in seien Gästekartei. Es sind Zufallsbegegnungen wie diese, die Schäubles Tagebuch einer Wanderung durch Israel und Palästina im wahrsten Sinn zur aufschlussreichen Grenzerfahrung machen. Fern der großen Politik und doch stets von ihr indirekt beeinflusst wanderte und trampte der Journalist und Politikwissenschaftler von Tel Aviv bis auf die Golan-Höhen und vom Toten Meer bis nach Gaza-Stadt. Im Jerusalemer Viertel Me´a Sche´arim fand er in einem Spielzeugladen den Bausatz für einen neuen Tempel, trank in Ramallah Wodka-Energy-Drinks mit jungen Palästinensern und traf an der Grenze zum Libanon auf israelische Siedler, die selbstverständlich von „Palästina“ sprachen. Anders als viele Nahost-Korrespondenten verzichtet Schäuble auf jeden Erklärungs-Ansatz und auf wohlmeinende Lösungsansätze für den Nahost-Konflikt. So wird sein persönlich gefärbter, locker erzählter Reisebericht zur glaubwürdigen Bestandsaufnahme des Alltagslebens in der Krisenregion. 

Martin Schäuble, Zwischen den Grenzen. Zu Fuß durch Israel und Palästina, Hanser Verlag München 2013, 219 S. 17,90 Euro