Kategorie: Fundstücke

Im Land der Schrauber und Tüftler

Von: Martin Wein

Die Ära Fidel Castros ist vorbei. Auch wenn die Öffnung Kubas bislang nur in Trippelschritten vor sich geht, dürfte damit die Mangelkultur des Ausbesserns und Pflickens bald ein Ende haben. Ein Abgesang in Schwarzweiß.

Fidel Castro und das US-Handelsembargo haben die Kubaner zu einem Volk von Tüftlern und Handarbeitern erzogen. Die polierten Straßenkreuzer aus den Jahren vor der Revolution auf den Straßen Havannas sind als begehrtes Fotomotiv für Touristen nur die pittoreske eine Seite der Medaille. Die andere zeigt der Mettlacher Fotograf Michel von Boch in seinem ersten Bildband „Kubas Hände“. Auf seinen Fotos wird geschraubt, eingeschmolzen und getrickst, damit das Leben überhaupt weitergehen kann. Von Boch portraitiert Maler Remigio in seinem Heim und Atelier, das als notdürftig zusammengeflickte Bruchbude selbst als Meisterwerk des Dekonstruktivismus durchginge. Er schaut Bildhauer Edel und seinem Hausschwein über die Schulter. Ebelino füllt alte Feuerzeuge, Roberto bringt defekte Ventilatoren wieder in Schwung und Friseur Eldis schneidet die Haare seiner Kunden noch ganz ohne Maschine. Mit der technischen Distanz der Schwarzweiß-Fotografie werden die teils großformatigen Motive nach dem dem Ende der Ära Castro zu persönlichen Zeugnissen einer verblassenden Epoche.

 
Michel von Boch, Stefan Barriga, Kubas Hände, Christian Brandstätter Verlag, Wien 2007, 144 S. 36.00 €

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