Tokio, die 30-Millionen-Metropole, ist für den Bonner Jung „die ideale Stadt, sich seinen Ängsten zu stellen“. Schon das Anziehen im Kapselhotel wird zur Tortur. Bananen gibt es nur einzeln und eingeschweißt zu kaufen und im Alcatraz-Restaurant schließt sich demonstrativ die Zellentür hinter ihm. Angst bekommen hingegen eher die Zuschauer bei Szenen aus dem Tokioter Hofbräuhausimitat. Im Zen-Kloster lässt Pastewka sich die Bedeutung des rituellen Fegens erklären – „es wird sauber“ und wechselt im Thermalkurort die Straßen- gegen Flurschuhe und diese gegen WC-Schuhe, um erneut die Flurschuhe zu konsultieren. Den Mund hält er noch nicht mal eingegraben in Heilsand und hat deshalb kaum noch Puste beim Aufstieg auf den Fujiama. Statt dessen verletzt er sich am spitzen Strohalm einer Capri-Sonne und verblutet. Der Mann hat Talent!
Den Fuji hat Pastewka mit seinem Team in Wahrheit mangels Kondition übrigens gar nicht erklommen, wie man dem ansonsten wenig aufschlussreichen Audio-Kommentar entnimmt.
Ebenfalls heiter gestimmt präsentiert sich der Komiker in Indien, wo er in einer heimischen Seifenoper den Deppen spielt, im Ashram selbst ob der obskuren Lehren zu viel bekommt und in Jaipur Elefantenpolo spielt.
Authentische Eindrücke vom Land darf man bei diesem ungewöhnlichen Unterhaltungsformat nur begrenzt erwarten. Der zur elenden Strapaze aufgebauschte Elefantenritt zur Festung Amber in Rajasthan dauert in Wahrheit beispielsweise kaum zehn Minuten und echt scharfe Curries gibt es nicht in Nordindien, sondern im Süden. Trotzdem bieten die Filme einen unterhaltsamen und mit manchem Klischee brechenden Einblick in exotische Länder. Nur ganz selten entgleist der Humor ins Peinliche, vor allem bei Pastewkas Besuch in einem abgelegenen indischen Dorf. Die Scheu der Bewohner angesichts eines im Pulk anrückenden Fernsehteams nutzt er kalkuliert aus. Nicht eben ein gelungenes Beispiel für Kontakt zwischen fremden Völkern.
Formal sind die Filme an die 3,5 Minuten-Sehgewohnheiten der jungen Zielgruppe angepasst und als Episodenfolgen mit teils brachialen Übergängen geschnitten. Dazu der hektische Kommentar aus dem Off, und man ist nach 45 Minuten froh, wieder daheim zu sein. Auch wenn heute alles auf DVD zweitvermarktet wird, fragt sich an diesem Beispiel überdies deren wahrer Nutzen. Die gelöschten Szenen sind nicht wirklich komisch, den Audio-Kommentar könnte man in ähnlicher Form auch beim eigenen Dia-Abend abgeben. Aber wer im Urlaub nichts vorhat, der muss jetzt nicht mehr mit dem Zeigefinger über die Landkarte ziehen, sondern er kann seinen DVD-Player auf Dauer-„Repeat“ stellen. Gute Reise!
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