Kategorie: Fundstücke

Kamel vor Gericht

Von: Martin Wein

Auch ein Kamel darf nicht einfach aufstehen, wann es will. Zumindest dann nicht, wenn das Tier auf einer Pauschalreise als Transportmittel für einen inkludierten Ausritt vorgesehen ist. Einem Reisenden, der beim frühzeitigen Aufstehen zu Boden fiel, hat das Oberlandesgericht Koblenz Schmerzensgeld zugesprochen. Der Veranstalter habe das Vertragskamel besser überwachen müssen. 50 ähnlich ausgefallene Urteile zum deutschen Reiserecht hat Dirk Geest in einem kleinen Schmunzelbüchlein zusammengestellt. Eine mit 20 bis 23 Grad angeblich zu kalte Kreuzfahrtschiffskabine oder die überstürzte Flucht vor einem übereifrigen Wachhund bei einer Verkaufsveranstaltung können das Reisebudget demnach merklich entlasten. Wird hingegen ein Koffer mit ausgelaufenen Oliven, Rotwein und zerdrückten Salamis zum Geruchsproblem, muss der Besitzer dessen Vernichtung durch das Flughafenpersonal hinnehmen und hat keinen Anspruch auf Ersatz. Für Klagefreudige hat der Autor jeweils das entsprechende Aktenzeichen als Referenz in Fettdruck vermerkt. 

Dirk Geest, Die 50 skurrilsten Reisebeschwerden – und so hat Justitia entschieden, Books on Demand Norderstedt 2015, 85 S., 7,99 Euro