In Sibirien sei nichts zu sehen, sagten sie dem Engländer James Holman im Jahr 1822 in Moskau. Macht nichts, sagte sich der, denn er war blind. So fuhr er trotzdem hin. Die seltsamen Eskapaden des pensionierten Marine-Leutnants Holman und sechs weiterer exzentrischer Reisender des 18. und 19. Jahrhunderts hat der Historiker und Schriftsteller John Keay in seinem höchst unterhaltsamen Taschenbuch zusammengetragen. Mit britischem Understatement und angenehm ironischer Distanz portraitiert er heute weitgehend unbekannte Menschen, die auf eigene Faust und Kosten in die Ferne aufbrachen – ein jeder kauzig auf seine Weise. Während Holman stolz jede Petitesse auf dem Weg nach Irkutsk notierte, und zudem noch geschickt allerhand aus den Werken anderer abkupferte, maulte das Multitalent Thomas Manning als erster Engländer auf dem langen Weg nach Lhasa nur über das schlechte Essen, und dass man ihm unterwegs zwei silberne Löffel geklaut habe.
John Keay, Exzentriker auf Reisen um die Welt. Sieben Portraits, deutsch von Norbert Hofmann, Edition Tiamat, Berlin 2007, 222 S., 19.95 €
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