Kategorie: Fundstücke

Südsee-Träume mit Tigerhaien

Von: Martin Wein

Man wird ja noch träumen dürfen. Zum Beispiel von der Südsee. 51 000 Inseln in einer Wüste aus tiefem Blau. Kokospalmen am Strand und Tigerhaie für ein wenig Thrill davor. Die BBC schafft es, uns diese entlegene Weltgegend mit beeindruckender Brillanz ins Wohnzimmer zu zaubern. Die Doku-Serie „Die Südsee“ ist ein Glanzstück perfekt komponierten, lehrreichen und unterhaltsamen Bildungsfernsehens.
In sechs Folgen zeigt Produzent Huw Cordey, wie es dem Leben gelang, die abgelegenen Inseln überhaupt zu erreichen, wie Tiere, Pflanzen und Menschen in ganz erstaunlichen Anpassungsakten sich die neue Umwelt eroberten. Da lernen Tigerhaie vor den French Frgat-Inseln, im seichten Wasser junge Schwarzfußalbatrosse zu jagen, die ihre erste Flugstunde absolvieren. Da haben sich Papageien bis in die Berge Neuseelands gewagt und ein riesiges Baumkänguru so weit in den Dschungel Neuguineas, dass es für die Serie überhaupt erstmals gefilmt wurde.
Die Produktion zeigt in spektakulären Bildern, wie die Inseln vom Vulkanismus
aus dem Meer gehoben wurden. Und sie zeigt Eilande, auf die sich kaum ein Zuschauer je verirren wird. Anuta zum Beispiel, kaum einen halben Quadratkilometer groß und mit 300 Bewohnern dichter besiedelt als manche Metropole. Dennoch fischen hier die Menschen mit Tintenfischarmen nie
mehr, als das Meer verträgt. Das einzigartige Finanzierungssystem der BBC macht
Filme wie diesen möglich. Das britische Ferrnsehen muss sich nämlich mit jedem
Programm um Staatsgelder bewerben, die auch private Anbieter beantragen können. Das fördert Wettbewerb und sichert Qualität, während in Deutschland die Gebühren überwiegend in Sportrechte investiert werden und die großen Parteien die Sender als eigene Rangier-Masse ihrer eigenen Interessen betrachten. „Die Südsee“ zeigt, dass es auch anders ginge. Wie gesagt, man wird noch träumen dürfen.

Die Südsee, 2 DVDs, 360 Minuten, Polyband, ca. 20,95 €
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