Kategorie: Fundstücke

Von Paradies keine Spur

Von: Martin Wein

„Wildes Neuseeland“ – unter diesem Titel hätte man nach den erfolgreichen Produktionen „Wildes Russland“, „Wildes Japan“ oder „Wildes China“ von NDR Naturfilm Aufnahmen mächtiger Albatrosse, putziger Kiwis und frecher Keas erwartet. Tatsächlich bietet die für Arte gedrehte Reihe hingegen eine virtuelle Landeskunde in fünf Teilen. Wie im Geographie-Unterricht werden die großen Naturräume der Inseln in animierten Satellitenbildern und ausführlichen Luftaufnahmen vorgestellt. Dazwischen beobachtet die Kamera immer wieder die Neuseeländer selbst, wie sie sich in diesem Winkel der Erde eingerichtet haben. Der Blick für das Besondere der Inseln, vor allem für ihre einzigartige Flora und Fauna, ist den Autoren wohl aus Kostengründen weitgehend abhanden gekommen. Statt aufwändiger und damit teurer Tieraufnahmen überfliegen sie gefühlt endlos grüne Siedlungsräume und Agglomerationen, berichten über Ackerbau, Schafzucht und Wasserkraft. Viele der Aufnahmen lassen überdies die Brillanz und liebevolle Zusammenstellung vermissen, die man von ähnlichen Produktionen heute gewöhnt ist. Wer einen Naturfilm erwartet, der sollte mithin die Finger von diesem Produkt lassen. Für Neuseeland-Reisende, die sich einen Eindruck über Topographie und ihre Besonderheiten verschaffen können, bietet die Filmreihe dagegen eine ausführliche Einführung.

Wildes Neuseeland. Ein Paradies am Ende der Welt, 225 Min. Spielzeit, Blue-Ray oder DVD, Polyband 2013, ca. 21 Euro