Kategorie: Fundstücke

Weltumsegler ausgeforscht

Von: Martin Wein

Tausende Weltumsegler aus Europa, Nordamerika, Australien und Neuseeland haben sich für ein mobiles Leben auf dem Wasser entschieden. Längst bilden die Yachties eine multinationale Subgesellschaft mit eigenen Ritualen, die sich vor allem mit sich selbst beschäftigt. Als teilnehmende Beobachterin hat die Kulturanthropologin Martina Kleinert dieses Randphänomen der Konsumgesellschaft jetzt von innen aufgeschlossen. Samt Ehemann schipperte sie dazu selbst monatelang durch den Südpazifik und traf in den Häfen immer wieder Segler, die ihr bereitwillig Auskunft gaben. In erfrischend neutraler Analyse beschäftigt Kleinert sich sozialanthropologisch mit deren Motiven, Erwartungen und Sozialbeziehungen sowie dem Schiff als Zuhause. Ein Fazit ist: Obwohl die meisten Befragten finanziell unabhängig sind, scheuen sie das Nichtstun. Stattdessen wollen sie ihr Leben körperlich aktiv und bewusst gestalten – ob eher als Touristen, Aussteiger oder mit sportlichen Ambitionen. So wird die Reise in jedem Fall zu einer Zäsur im Leben, wenngleich etliche Yachties andere Perioden ihres Lebens durchaus als prägender empfinden. 

Martina Kleinert, Weltumsegler. Ethnographie eines mobilen Lebensstils zwischen Abenteuer, Ausstieg und Auswanderung, transcript Verlag Bielefeld 2015, 361 S. 29,99 Euro