Kategorie: Fundstücke

Wilde Geschichten von unterwegs

Von: Martin Wein

Seit Helge Timmerberg 1970 die hessische Heimat in Richtung Himalaja verließ, hat ihn das Fernweh nicht mehr losgelassen. Seine Reportagen aus aller Welt schmücken seither die edelsten Magazine und füllen auch den neuen Bestseller „Der Jesus vom Sexshop“. Von Israel bis Nordkorea, von Bielefeld bis Brasilien schlägt der Autor sich mit brachialen Zöllnern, berechnenden Taxifahrern und bandscheibenschädlichen Kamelen herum. Zupackend und ironisch, schillernd und mit gekonnter Übertreibung erklärt er die Welt zum Irrgarten, den es mit Frechheit und Fantasie zu durchwandern gelte. Zweifel sind allerdings berechtigt: Hat Timmerberg wirklich im ostiranischen Meshad bei einer Verkehrskontrolle einem Polizisten dessen Führerschein geklaut, weil er selbst noch minderjährig keinen hatte? Hat ihm die Krankenschwester in Belutschistan – natürlich hieß sie Leila – tatsächlich aus Liebe die Antibiotika gegen Elephantiasis in den Hintern gespritzt? Wollte ihm ein Grenzschützer in Pakistan an die Wäsche? Helge Timmerberg trumpft in seinen zahllosen Frauen- und Drogengeschichten ganz schön auf. Vielleicht ist der Hippie-Held aus Hessen in Wahrheit nur ein ganz normaler Reisender, der Karl May gelesen hat. Gute Geschichten erzählt er in jedem Fall. Wer im Balkonurlaub oder auf der durchorganiserten Pauschalreise von Abenteuern träumt, der muss an dieser Lektüre einfach Riesenspaß haben. 

Helge Timmerberg, Der Jesus vom Sexshop. Movies von unterwegs, Rowohlt Berlin Verlag Berlin  2010, 300 S. 18,95 €
Das Buch bei Amazon