Kategorie: Alaska, USA, Nordamerika

Alakshak - Weites Land im Norden

Von: Martin Wein (Text und Fotos)

“Das weite Land“ nannten die Bewohner der Aleuten ihre Heimat, Alyeska oder Alakshak in ihrer Sprache. Eine treffende Bezeichnung, denn der nördlichste Bundesstaat der USA ist mit seiner Fläche von 1.518.800 km² mehr als viermal so groß wie die Bundesrepublik.

Der Portage Lake mit den Eisschollen des gleichnamigen Gletschers ist ein Juwel auf der Kenai Halbinsel bei Anchorage. Doch auch hier macht sich der Treibhauseffekt bereits bemerkbar. Der Gletscher schmilzt in rasantem Tempo.

Das Leben in Alaska konzentriert sich fast ausschließlich im Südosten und Süden des Staates, wo der Großteil der nur 580.000 Einwohner lebt. Über die Hälfte der Bevölkerung wohnt in und um Anchorage, dem Außenposten des 21. Jahrhunderts am Pazifik. Hier sind alle Annehmlichkeiten des modernen Lebens zu finden, vom Fast-Food-Lokal bis zum Symphonieorchester. Und doch ist Anchorage anders als die gewöhnlichen nordamerikanischen Metropolen.

Wenn man spätabends im Krähennest sitzt, dem Aussichtslokal des Hotels „Captain Cook“, und über die Stadt blickt, dann sieht man im milden Licht der Mitternachtssonne bereits die gewaltige Silhouette der Chugatch Mountains. Kaum 20 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt beginnt die nordische Wildnis. Und so ist es kein Wunder, wenn die Stadtmenschen des Nordens eine besondere Beziehung zur Natur haben. Im Winter suchen gelegentlich Karibus in den Einkaufsstraßen der Stadt nach Futter. Und selbst Grizzlybären wagen sich bis in die Wohnviertel. Immer wieder füllen dramatische Bärengeschichten die örtlichen Tageszeitungen. So wurden vor einiger Zeit zwei langjährige Alaskaner kaum 100 Meter von ihrem Haus entfernt von einem Grizzly angegriffen und getötet. Die Beerdigung geriet zum Staatsakt mit der ganzen Prominenz des Nordens. Besonders Bärenmütter mit Jungen werden sehr aggressiv, wenn man ihnen zu nahe kommt. Mit lauten Rufen oder Bärenglocken versuchen Wanderer frühzeitig auf sich aufmerksam zu machen. Dann ziehen sich die Bären von selbst zurück.

Doch Bären sind nicht die einzige Gefahr, die sich in der Wildnis ergeben kann. Kaum bekannt ist, dass mehr Menschen von Elchen getötet werden als von Bären. Elchkühe mit Kälbern können reichlich ungehalten werden. Und Elchen begegnet man als Besucher Alaskas fast unweigerlich. Andere Risiken sind weniger dramatisch. Wer etwa auf der holprigen Mc Carthy Road in das Herz der größten geschützten Wildnis der Erde vordringen will, sollte mit Reifenpannen rechnen. Und Vertragswerkstätten gibt es in Alaska keine. Sind aber die richtigen Ersatzteile im Auto, ist das kein Problem. Die Alaskaner sind überaus hilfsbereit