Kategorie: Nordamerika, USA, Hawaii

USA: Auf glühenden Kohlen

Von: Martin Wein (Text und Fotos)

Der Kilauea-Krater gilt den Hawaiianern als Wohnsitz der Feuergöttin Pele. Seit 1983 spuckt der Vulkan auf der Hauptinsel zuverlässig Rauch und Lava, die sich in langen Strömen ins Meer wälzt. Für die Nachbarn im alternativen Puna-Distrikt im Süden der Insel ist der Feuerberg Fluch und Segen zugleich. Touristen verspricht er „die heißeste Show auf Erden“.

Bis auf einen Meter kann man sich mit gehöriger Vorsicht dem Lavastrom nähern, der vor Hitze knisternd bis zu 20 Meter pro Stunde zurücklegt.

Irgendwann hört der Highway einfach auf. Der Asphaltbelag ist genau genommen noch da, aber eine mächtige Lavazunge floss vor einigen Jahren auf 14 Kilometern Breite einfach über die Küstenverbindung im Süden der Hauptinsel Hawaii hinweg, die die Amerikaner pragmatisch einfach Big Island nennen. Wie zäher Hefeteig ist das pechschwarze Gestein auf den letzten Metern vom knapp 700 Meter hoch gelegenen Pu’u Ō’ō-Nebenkrater hinunter zum Meer kalt geworden und erstarrt. Mehrere Meter hoch türmt es sich heute auf und dient Besuchern als scharfkantiger Abenteuer-Parcours. 50 Jahre und mehr wird es dauern, bis Pflanzen in den Spalten Fuß fassen. Ein Straßenschild mit der sinnfälligen Aufschrift „Road closed“ sorgt für Heiterkeit und ein Fotomotiv. Der Lavastrom hat es so rücksichtsvoll umflossen, dass es gerade noch fotogen herausragt.

Seit 30 Jahren drückt der Kilauea-Vulkan auf der südlichsten Insel des Archipels flüssiges Gestein aus dem Erdmantel an die Oberfläche und ist damit zweifellos die größte Attraktion im 1916 gegründeten Hawaii Volcanoes National Park. Weil die Lava auf Hawaii wenig explosives Gas enthält, ist der Ausbruch verhältnismäßig ungefährlich. Pünktlich zu seinem 30. Jubiläum ist auch der Hauptkrater in 1200 Metern Höhe selbst wieder aktiv geworden. An seinem Grund bricht immer wieder ein gelb leuchtender Lava-See auf und entlässt beständig eine giftige Dampfwolke. Vom rund einen Kilometer entfernten Jagger-Museum beobachten jeden Abend hunderte Besucher, wie die Wolke im Widerschein der heißen Lava rot und gelb aufleuchtet. Aus Sicherheitsgründen hat die Parkverwaltung alle Trails in die Nähe des Kraterrandes und einen Teil der Ringstraße bis auf weiteres gesperrt.