Kategorie: Grönland, Europa

Grönland: Aufs Glatteis wagen!

Von: Martin Wein (Text und Fotos)

Mit dem Hundeschlitten durch das vereiste Ostgrönland auf der Suche nach Global Warming Island und der Fährte des Eisbären. Nur 300 Reisende im Jahr machen sich auf eine solche Reise, wenn überhaupt.

Die Hunde sind so resolut bei der Arbeit, dass sie den Schlitten im Übereifer schon mal vorzeitig fortreißen.

Wo ist denn nun dieser Klimawandel? Draußen vor dem Fenster der Flughafenbaracke von Nerlerit Inaat ist davon erstmal keine Spur. Hier türmen sich Schneeberge. Im gleißenden Licht der Mittagssonne funkeln die Eiskristalle wie Edelsteine. Die Schneeraupe hat mit Mühe die Piste geräumt, damit unsere Propeller-Maschine aus dem isländischen Reykjavik hier landen konnte. Als wir nach gut zwei Stunden und 500 Kilometern aus dem beheizten Flieger geklettert sind, hat uns schneidende Kälte empfangen. Nach zehn Minuten waren Hände und Füße komplett durchgefroren.  

Wir sind auf Grönland, ganz im Nordosten. CNP ist der internationale Flughafen-Code für diesen Flecken Erde, das steht für Constable Point. Ölsucher haben das Flugfeld in den 1970er-Jahren angelegt. Man kann zweimal in der Woche einen Linienflug hierher buchen und wenn der Flieger wieder gestartet ist, fühlt man sich plötzlich sehr einsam. Schneestürme haben unsere Anreise um ganze fünf Tage verzögert. Doch nun sind wir da und wollen sehen, was der Klimawandel uns beschert. An der Nordspitze der Halbinsel Liverpool-Land haben schmelzende Gletscher vor wenigen Jahren eine unbekannte Insel freigegeben. Global Warming Island hat man sie passend getauft. Da möchte mein Grönland-erfahrener Freund Christoph Tepper mit mir hin – eine Expedition mit Zelt und Hundeschlitten auf dem gefrorenen Polarmeer immer an der Küste entlang. Anders kommt man hier bis heute nicht weiter.

Doch erstmal müssen wir nach Ittoqqortoormiit. Das ist die Stadt im Nordosten. Dort warten die Hunde. Rund 50 Kilometer nach Süden sind es – 15 Minuten mit dem Helikopter von Air Greenland. Der fliegt allerdings erstmal nicht. Über Ittoqqortoormiit liegt Küstennebel. Eine Landung ohne Sicht auf dem Heliport zwischen spitzen Bergen wäre nicht ratsam. Da kann man nur warten. In der warmen Flughafenbaracke bei Tee und Brötchen wird Ittoqqortoormiit zum Sehnsuchtsort. Die Stunden vergehen und die Dämmerung naht. In der Kantine des Flughafens kochen sie Spaghetti für die Angestellten, die hier ausharren. Freundlich lädt man uns zum Essen ein. Es gibt sogar Salat und frisch gebackenes Brot. Vielleicht müssen wir hier übernachten, heißt es.

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