Kategorie: Europa

Spanien: Aus Sand gebaut

Von: Martin Wein (Text + Fotos)

Und wie sie das in La Orotava tun. Zwei Tonnen Sand werden dafür jedes Frühjahr von einem Seitenhang des mächtigen Teide-Vulkans herunter nach Orotava an seinem Sockel geschafft. 25 Helfer verwandeln sie auf dem Platz vor dem Rathaus in ein riesiges Bild von 900 Quadratmetern Fläche. Das ist nicht nur ein Rekord, sondern auch die Arbeit von 45 Tagen. Bis zum Mittwoch vor dem Festtag schützt eine Zeltplane immerhin die Arbeiten vor unerwartetem Regen. Doch 24 Stunden vorher liegt das Gemälde aus Vulkansand ungeschützt auf dem Marmorboden im Zentrum der kleinen Stadt.

Vom Prachtbalkon des Rathauses verfolgen Einwohner und Gäste aufgeregt die letzten Arbeiten. Das Bild ist im Stil einem Gobelin nachempfunden – mit einem Hauptmotiv und Seitenbildern geschmückt von ornamentalen Bändern. Mit Schablonen und Maßbändern werden an den Rändern noch Musterflächen markiert. Mit Plastikschüsseln voller Sand hocken Helfer daneben und streuen sie mit der Hand ab. Andere legen mit ein paar Körnchen letzte Hand an den Schattierungen, Lichtreflexen und Konturen der großen Bilder. Die zeigen nicht nur Jesus Christus und seine Jünger in neobarocker Pracht. Eingeweihte entdecken auch Anspielungen auf die Flüchtlingskrise, die Europa in Atem hält. Vor dem großen Treck über das Mittelmeer hatten schließlich auch die Kanarischen Inseln ihr Flüchtlingsproblem mit illegalen Migranten aus Nordafrika, die von Marokko und der West-Sahara auf die Inseln kamen.