Den ganzen Tag wird der Parkplatz am Fluss zum Treffpunkt der Nationen. Da ist der junge Mann aus Alabama, der für seine „Mom“ daheim drei Filme verknipst. Da ist die Familie aus Schwaben, deren Kinder vor Begeisterung in den Fluss zu rutschen drohen, und da ist das Grüppchen Italiener, die Angst um ihre teure Outdoor-Kleidung haben. In diesen Wochen treffen aber auch die Einheimischen sich regelmäßig am Creek, um nach „ihren“ Bären zu schauen.
Gegen Mittag kommt die „Big Mama“, ein ursus arctos horribilis, der größte Grizzly weit und breit. Sie ist bald doppelt so groß wie ihre schwarzen Verwandten, wiegt leicht 500 Kilogramm. Mit ihren Furcht einflößenden Klauen patrouilliert sie an der staunenden Menge vorbei. Etwa jeder zweite Jagdversuch hat Erfolg. Wenige Lachse haben in diesem Jahr die weite Reise geschafft. Die Ranger munkeln, illegaler Lachsfang habe die Bestände dezimiert. So können die Bären nicht schlemmen wie in Vorjahren, wenn das Wasser vor Fischen nur so wimmelte und sie nur zugreifen mussten.
Etwa jede halbe Stunde lässt sich ein Bär sehen, jagt, badet oder nimmt ein Sonnenbad am Ufersaum. In aller Ruhe lässt sich natürliches Verhalten beobachten. Das ist auch in den Weiten des benachbarten Kanada selten geworden. Dem mit immer neuen Kahlschlägen rücken die großen Holzkonzerne, auch im Auftrag deutscher Firmen, selbst in entlegenen Gebieten dem Lebensraum der Bären zuleibe.