Kategorie: Mittel- & Südamerika

Bolivien: Revolution am Drahtseil

Von: Martin Wein (Text + Fotos)

Bis zu 26 000 Menschen pro Stunde befördert das System derzeit in Höhen zwischen 3200 und 4100 Metern. Selbst auf ebenem Terrain – etwa auf der Strecke über das Stadtgebiet von El Alto – hat das System Vorteile: Es greift kaum in bestehende Bebauung ein und man entgeht den Staus am Boden. Wifi an Bord ist in La Paz inklusive, ein Sitzplatz und Aussicht sind garantiert. Gedränge in den Kabinen wird schon aus Sicherheitsgründen strikt vermieden. Alten und Fußkranken helfen Servicekräfte an Bord der an den Stationen langsam fahrenden Gondeln. Und wer Gepäck oder ein Rad dabei hat, der bezahlt einfach doppelt.

„Die Seilbahn hat unser Leben vollkommen verändert“, sagt der Hotelmanager Rodrigo Vera Rozo in akzentfreiem Deutsch. Er ist in Deutschland zur Schule gegangen, hat später in Frankreich studiert. Einen Teil seiner Jugend hat der 53-Jährige in Deutschland verbracht, wo seine Mutter in den 1980er-Jahren als Dissidentin Unterschlupf gefunden hatte. Da sei es so schön ruhig und grün gewesen, erinnert er sich.