Kategorie: Europa, Spanien

Spanien: Cervantes beflügelt die Mancha

Von: Martin Wein (Text + Fotos)

In der Mancha finden sich seine Spuren wieder gleich hinter dem „Quijotel“ im Weinkeller des Bürgermeisterhauses von Argamassilla de Alba. Heute liegt ein großes Kulturzentrum über der staubigen Höhle, in der Cervantes angeblich 1602 wegen einer Frauengeschichte oder der Unterschlagung von Steuern – er ist inzwischen aus Geldnot Steuereintreiber geworden – eingekerkert wird. Hier kommt ihm nach seiner abenteuerlichen Zeit in der spanischen Marine-Infanterie, der Gefangenschaft in Algier, fruchtlosen Versuchen als Dramen-Autor und einem verpatzten Karriereneustart als Provinzgouverneur in Südamerika die Idee zu seiner Parodie auf die unter Zeitgenossen höchst beliebten Ritterromane. Auf über 500 Seiten lässt er den freiheitsliebenden Ritter Don Quijote von der Mancha mit seinem Klepper Rocinante und gegen den Rat seines korpulenten Knappen Sancho Panza gegen Windmühlen anrennen, die der durch übermäßige Lektüre vollkommen übergeschnappte verarmte Adelige für Riesen mit wedelnden Armen hält. Auf die Idee zu dieser Episode, die wohl auch deshalb so berühmt wurde, weil sie ziemlich am Anfang des dicken Romans mit seinen vielen eingestreuten Novellen und episodenhaften Abenteuern steht, kommt der Autor nicht von ungefähr. Der Holzeinschlag für den Schiffsbau hat die Mancha erst kurz zuvor zur wasserarmen Steppe ausdörren lassen. Nun müssen große, mit Stoff bespannte und je nach Wind drehbare Windmühlen statt der bisher üblichen Wassermühlen das Korn mahlen. 1500 Stück beflügeln in der Spitze die Mancha und Cervantes‘ Phantasie. Heute stehen weniger als 50 vor allem auf dem Hügel von Consuegra und in Campo de Criptana.