Kategorie: Europa, Spanien

Spanien: Cervantes beflügelt die Mancha

Von: Martin Wein (Text + Fotos)

Reichlich Personal für sein Mammut-Werk findet Cervantes unter anderem in Esquivias zwischen Toledo und Madrid. Hier hilft der Autor 1584 der Witwe eines befreundeten Dichters beim Ordnen des Nachlasses und trifft nebenbei auch seine Frau Catalina de Salazar. Ihr Vermögen wird ihn zeitlebens über Wasser halten. Und ihr Onkel, ein Riesenfan kitschiger Ritterromane, steht wie der Dorfpfarrer und ein gewisser Sancho Gauna später Pate für Figuren im Don Quijote. Der geräumige Landhof der Salazars, in dem Cervantes sich immer wieder gerne zurückzieht, liegt noch heute als Oase der Ruhe unter der Sonne Kastiliens und wird als Museum betrieben.

Zwar bringt der erste Teil des Quijote dem Autor 1605 einiges Geld und viel Ruhm. Die Erstauflage von 1500 Exemplaren ist sofort vergriffen. Das unerhörte, hochkomische Buch findet rasch seinen Weg durch ganz Europa und der Autor setzt sich an den zweiten Teil. Doch als Cervantes nur Monate nach der Fertigstellung 1616 stirbt, ist er wieder so blank wie zuvor. Posthum stellt Cervantes seine spanische Dichter-Konkurrenz sämtlich in den Schatten. Auf der neuen Grabplatte im Kloster der Trinitarierinnen steht geschrieben, was der, der zeitlebens auch gegen Windmühlen focht, drei Tage vor seinem Tod im Vorwort zu seinem letzten Werk notiert: „Die Zeit ist kurz, das Verlangen wächst, die Hoffnung klingt ab und trotz alledem trage ich den Wunsch in mir, dass ich weiterleben will.“