Kategorie: Nordamerika, Kanada, Alberta

Das Tal der Dinosaurier

Von: Martin Wein

Der Canon des Red Deer River inmitten der weiten Prärien Südalbertas gilt als die weltweit ergiebigste Fundstätte der Urzeitechsen.

Hoodoos, Sandstein-Türme sind Zeugen der Erosion.

Seit im Jahr 1822 der erste Zahn eines Iguanodon gefunden wurde, halten Dinosaurier die Welt in Atem. Schon ihre pure Größe fasziniert: Im aufgebauten Skelett dieses Pflanzenfressers ließ man eine zwanzigköpfige Gesellschaft dinieren. Der Ultrasaurus hatte eine Körperlänge bis zu 35 Metern, und immer wieder werden neue Rekorde gebrochen. Mit Kinofilmen wie „Jurassic Park“ oder  „Lost World“ erreichte die Fieberkurve der Dino-Manie einen Scheitelpunkt. „Doch spannender als ein virtueller Kinofilm, ist eigentlich die Forschungsarbeit selbst“, befindet Jeff, Student für Paläontologie an der Universität von Alberta in Edmonton. Der drahtige junge Mann mit der sonnenverbrannten Haut schnappt sich Rucksack und Wasserflasche, und auf geht es ins Tal der Schreckensechsen.

Unvermittelt taucht der unwirtliche Canon des Red Deer River inmitten der flachen Prärien Südalbertas auf, 100 Kiliometer östlich von Calgary. Im Sommer ein schattenloser Glutofen ohne jeden Windhauch, wird das Gebiet im Winter zur Eiswüste mit Temperaturen von unter -30° C. Weglos ist das Gelände, und so trocken, dass nur Kakteen gedeihen. Hoodoos, bizarre Sandsteintürmchen, durch feste Deckplatten vor der raschen Erosion geschützt, geben dem Tal einen urweltlichen Charakter.

Dinosaurier-Friedhof im Tal von DrumhellerUnd doch pilgern jedes Jahr Millionen von Menschen in die Badlands von Drumheller und 120 km stromaufwärts in den Dinosaur Provincal Park. Was sich zwischen Schichten von Kohle und Kalk in den Sedimenten verbirgt, gilt als die ergiebigste Fundstätte von Dino-Skeletten überhaupt. Überreste von 30 Arten und 700 Individuen der mittleren und späten Kreidezeit konnten bereits geborgen werden, seitdem 1884 der Geologe Joseph B. Tyrell die ersten Knochen des Albertosaurus entdeckte. Mit über 100.000 Fossilien birgt das nach ihm benannte, hochmoderne Museum im Herzen der Badlands die größte Fossilien-Kollektion Kanadas. 1979 wurde das Gebiet wegen seiner besonderen Bedeutung von der UNESCO zum „Weltkulturerbe“ erklärt.