Kategorie: Asien, Jemen

Der steile Weg nach Shahara

Von: Martin Wein

Abwarten und Tee trinken – in einem Land mit Tagestemperaturen von oftmals über 40 Grad ist das keine ungesunde Lebenseinstellung. In der lebensfeindlichen Wüste, wo selbst die Regierung kaum Einfluss hat, sieht jeder zu, wo er bleibt. Ich denke an dem großen Markt an der saudischen Grenze. Zementsäcke und Kartoffeln, Waffelkekse und Waffen stapeln sich hier, viel Schmuggelware darunter. „Du möchtest gar nicht wissen, wo das Zeug herkommt“, hat mir ein Händler im dunklen Holzverschlag im Vertrauen geraten, „aber vielleicht möchtest du eine Kalaschnikow?“ Die Djambia, der traditionelle Krummdolch, gehört für den Jemeniten zwar immer noch zum Ausgeh-Anzug. Doch wer auf dem Land etwas auf sich hält, der schleppt mindestens eine Maschinenpistole mit sich herum. Die kostet kaum 100 Dollar. Und sonntags, nein besser freitags, geht’s zum Schießen mit Picknick.

Ein paar Soldaten schlenderten durch das Markttreiben. Einer nahm mich an die Hand. So macht man das hier unter Freunden. Verschwörerisch zeigte er mir einen Mörser. Den hätte er gerne, sagte er in gebrochenem Englisch. Dann hätte er etwas zum Angeben im Dorf. Bei uns wollte man einen Ferrari oder eine Harley – beides auch nicht ohne Unfallrisiko.

Die Berichte von Entführungen im Jemen muss man ernst nehmen. Die Gefahr ist real, weil Touristen zu Hause eine Lobby haben und damit als Druckmittel taugen. Allerdings sollte man deshalb nicht das ganze Land in Sippenhaft nehmen. Erstens sind die meisten Entführten selbst Jemeniten, und zweitens passieren die meisten Zwischenfälle in wenigen unruhigen Regionen. Wer stets ein Wasserklosett braucht und weißes Tischzeug im Restaurant, wer bei Hitze kurze Hosen tragen muss und bei der scheppernden arabischen Musik aus dem Cassettendeck nach zwei Stunden zu viel bekommt, der bleibt besser weg. Hier – und das stört wahrscheinlich viele von fremden Kulturen Unterordnung gewohnte Europäer – hier sagen noch die Einheimischen, wo es lang geht.