Kategorie: Afrika

Marokko: Der Wassermann von Tinjedad

Von: Martin Wein (Text + Fotos)

Im Süden Marokkos schicken zahlreiche Veranstalter auch Normaltouristen für eine Nacht in die Wüste. Wer möchte, der reitet zu seinem Nachtlager in den Dünen.

Nach dem Sonnenaufgang warten die Dromedare im Erg Chebbi auf den "Abtransport" der Reisegäste zurück nach Merzouga.

Das prunkvolle Stadttor von Rissani weist den Weg hinaus in die Wüste. Wer hindurch nach Süden fährt, der steht wenig später mitten drin in dem Meer ohne Wasser, wie die Araber die Sahara nennen. Hier im Erg Chebbi unweit der algerischen Grenze versteht man sofort, was die Einheimischen zu dieser malerischen Umschreibung animierte. Unablässig schiebt der Wind auf aschgrauem Felsgrund rotgoldene Dünen wie Wellenkämme bis zu 200 Meter hoch vor sich her und liefert damit die filmreife Kulisse für eine Zeltübernachtung unter dem funkelnden Sternenhimmel.

Wüstenromantik und die Sehnsucht nach Stille und vermeintlich unberührter Natur lockt zwischen Oktober und Ende Mai Tausende Marokko-Reisende in die Randgebiete der Sahara. Zahlreiche lokale Veranstalter haben den Trend erkannt und bieten auch Normaltouristen ein wohl organisiertes Abenteuer. Dabei gibt es von luxuriös bis rustikal alle Varianten. Das ehemalige Kameltreiberdorf Merzouga am Ende der Teerstraße und am Rande des Erg Chebbi ist ein Knotenpunkt der beliebten Entdeckungstouren. Kurz vor dem Ortseingang führt eine Fahrspur zur Vier-Sterne-Herberge Kasbah Timbouctou. Zinnenbewehrt und unter braunem Lehmverputz verborgen passt sich das Haus wie viele andere Unterkünfte im Land lokalen Bautraditionen an. Vom Pool aus schweift der Blick bereits auf die Dünenkämme im Osten. Doch die meisten Gäste packen hier nur ihren Tagesrucksack. Denn Rachid, Omar und Mimoun warten draußen vor dem Zaun bereits mit den Dromedaren. Die Sonne sinkt. Eile ist geboten. Schnell werden die Rucksäcke festgezurrt, dann sitzen die Gäste auf. Schwankend setzen sich die Wüstenschiffe in Bewegung. Zwar gibt es im Gebiet längst zwei Dutzend Camps. Das Dünenmeer verschlingt die Karawanen aber schnell, so dass jeder seine ganz persönliche Expedition erleben kann.