Kategorie: Europa

Deutschland: Ein Bett im Tiefschnee

Von: Martin Wein (Text + Fotos)

Unter dem Zugspitz-Gipfel steht im Winter Deutschlands höchstes Hotel. Sicherlich ist es auch das kälteste. Ein Selbstversuch.

Im Dunkeln ist das Iglu-Hotel kaum zu erkennen. Die Wege ringsum sind deshalb mit Leinen geischert.

Ließen sich nicht zumindest die Zehenspitzen heimlich in den Teebecher tunken? Man kommt schon auf komische Gedanken hier oben auf 2600 Metern Höhe kurz unter dem Gipfel der Zugspitze. An der Höhe liegt es nicht, auch wenn die sich durchaus in Kurzatmigkeit bemerkbar macht. -12 Grad zeigt das Digitalthermometer draußen am Schlepplift hoch zum Schneefernerkopf. Unter normalen Umständen käme niemand bei solchen Temperaturen auf die Idee zu einem Picknick. Doch in Deutschlands höchst gelegenem, und zweifellos kältestem Hotel gehört das Frieren zum Programm. Und die Nacht hat im Igludorf auf dem Zugspitzplatt noch gar nicht begonnen.

Wer die Urgewalt der Berge mitten in Europa erleben möchte, der ist hier genau richtig. Nur fünf Gehminuten entfernt von der bayerischen Gemütlichkeit der Bergstation Sonnalpin mit Dudelfunk, karierten Vorhängen und SB-Restaurant steht man am frühen Abend mit einem voluminösen Arktis-Schlafsack unterm Arm im Tiefschnee. Die letzte Gondel ins Tal ist gerade abgefahren. Vor lauter Schneetreiben sind die umliegenden Berge bestenfalls zu ahnen. Bunte Fähnchen markieren deshalb, wo es abwärts geht. Und eine Holztür führt hinein in eine Schneewehe. Dass es gar keine ist, zeigt sich erst, als Patrick Festeling die Tür öffnet. Festeling gefällt es offensichtlich hier oben. Schon im vierten Winter betreut der junge Mitarbeiter der Zugspitzbahn aus Garmisch mit drei Kollegen die Gäste im Iglu-Hotel. Die stapfen jetzt im Gänsemarsch in ihre Unterkunft.

Das Igludorf ist streng genommen ein Schneehotel. Seine runden Räume werden jedes Jahr ab Mitte Dezember rund um einem großen Ballon aus Schnee geformt. Sie sind so groß, dass selbst ein Zwei-Meter-Mann zu Beginn des Winters bequem darin stehen kann. Mit der Zeit sinkt der temporäre Bau dann in sich zusammen, bis im April das Hotel geschlossen wird. Lange Gänge aus Schnee verbinden die Räume mit den Plumpsklos, der Schneebar samt Disco-Kugel und Eistheke und dem Zugang zum Wellness-Bereich. Ja, Wellness – schließlich wollen die bis zu 45 Gäste beschäftigt werden, bevor sie in ihren molligen Schlafsack robben.

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