Kategorie: Kuba, Nordamerika

Kuba: Die Revolution kommt ins Museum

Von: Martin Wein (Text und Fotos)

Kuba ohne Castro können sich die meisten Kubaner noch nicht vorstellen, doch der Wandel hat längst begonnen.

Mit der erwarteten wirtschaftlichen Öffnung Kubas werden die alten Luxus-Schlitten aus den 1950er-Jahren wohl bald für immer im Museum landen.

Auf Kuba ist die Revolution längst im Museum. Es liegt an der Avenida de las Misiones in Habana Vieja. Der ehemalige Präsidentenpalast aus dem Jahr 1922 passt mit seinem Zuckerbäcker-Pomp eigentlich gar nicht zu den Exponaten. Vergilbte Schwarzweiß-Aufnahmen zeigen Fidel und Raúl Castro und immer wieder Ernesto Guevara, den Che, in ihrem Guerillakrieg gegen das Batista-Regime. Blutbefleckte Uniformen und Handfeuerwaffen, die in der Tropenfeuchte eine Patina angesetzt haben, ergänzen die Ausstellung in den teils prunkvollen Räumen. Als wir im November 2007 durch den Garten zum Glaspavillon spazieren, in dem „Granma“, die Yacht der Revolutionäre, konserviert wird, wirkt das alles eingestaubt, verjährt, wie vor einer Haushaltsauflösung.

Von Bürgerkrieg, von US-amerikanischer Provokation mit nachfolgender Militär-Intervention war noch im Herbst 2007 viel die Rede in den Bars und auf den großen Plätzen, die die Kolonialherren einst anlegen ließen. Wie wird es sein – Kuba ohne Castro? Nach 50 Jahren kann sich das noch niemand so recht vorstellen. Und doch: Den „Máximo Lider“ hört man nur noch im Museum vom Tonband. Sein jetziger Rückzug kommt nicht überraschend. Von seinem Bruder Raúl erwarten viele eine wirtschaftliche Öffnung. An einen Systemwechsel glauben die wenigsten. Deshalb sucht man in Zeiten der Unsicherheit nach dem freundlichen Antlitz der Diktatur: Viel häufiger als Castros Konterfei lächelt der Che von Plakaten oder Wandbildern. Der Kult um El Comandante wird sich in jedem Fall in die neue Zeit retten, denn längst ist der Schattenriss mit dem Barett mit dem Stern zur Pop-Ikone geworden, die jeder der zwei Millionen Kuba-Touristen auf mindestens einem T-Shirt mit nach Hause nimmt.

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