Kategorie: Kuba, Nordamerika

Die Revolution kommt ins Museum

Von: Martin Wein

Doch nicht nur das: Mit ihrer Liebe zum Che bekennen die Kubaner sich zu den Ursprüngen der Revolution, zum Aufstand gegen die blutigen Diktatoren und die Miami-Mafia im Land. 1965 hatte der Idealist und rücksichtlose Kämpfer, damals Industrieminister der Revolutionsregierung, Kuba verlassen, nachdem ihm Castros Annäherung an die UdSSR missfiel. So scheint er als Integrationsfigur heute unbelastet.

In der berühmten Calle Heredia in der alten Hauptstadt Santiago de Cuba im Süden der Insel verkörpern Buchhändler Eddy und seine Tochter Yanet in ihrer winzigen Liberia den ganze Stolz der Kubaner auf ihren Sonderweg. Wahlplakate aus den 1960ern („Sozialismus oder Tod“), handgemalte Bilder vom Che oder vergilbte Traktate bietet Eddy feil wie Heiligtümer. Verkaufen ist für ihn offenbar zweitrangig. Vor allem führt er jeden Gast ausgiebig durch sein kurioses Sortiment und freut sich mehr über ein Erinnerungsfoto als über Geld. Sein ganzer Stolz: Ein altes Tonbandgerät und ein Mikrofon, durch das der Che einst gesprochen haben soll.

Den Tropen-Sozialismus hat auch Eddy wie wohl die Mehrheit seiner Landsleute abgeschrieben, doch in die Hände der nur 80 Seemeilen entfernten USA wollen sich nur die wenigsten werfen. In der Provinzstadt Bayamo, etwa so groß wie Wilhelmshaven, trotz man der Mangelwirtschaft kreativ. Die Fußgängerzone wurde in eine Kunstmeile verwandelt, die leeren Obstgeschäfte präsentieren die wenigen Waren in einladend buntem Ambiente. Und beim Kinderfriseur reiten die Kleinen auf Delphinen.