Kategorie: Kuba, Nordamerika

Die Revolution kommt ins Museum

Von: Martin Wein

Mit der harten Touristen-Währung sind die Verlockungen der Konsumwelt trotzdem auf dem Vormarsch: Die roten Dosen von „Coca-Cola“ sind das erste Konsumprodukt aus den Staaten, das über Venezuela am Embargo vorbei seinen Weg auf die Zuckerinsel sucht. Im Herbst 2007 sieht man sie ab und an als wahre Trophäen hinter den Bartheken aufgebaut. Noch ist der Mojito oft billiger.

Warum die Kubaner auf ihren Sozialismus trotz aller Mängel doch ziemlich stolz sind, das erfährt man an der Bahia de Cochinos. Hier an der Schweinebucht schlugen die Revolutionstruppen 1961 eine von der CIA geplante Invasion von Exil-Kubanern zurück und wiesen die Großmacht in ihre Schranken. Spruchtafeln feiern den Sieg – ein Rest Ostblock in den Tropen. Wir reisen weiter in den Südosten der Insel, wo sich die Sierra Maestra bis auf fast 2000 Meter auftürmt. In ihren unwegsamen Nebelwäldern begannen Castro und seine Mannen ihren Guerilla-Krieg gegen Batistas Söldner. Eigentlich ein Desaster, denn die Ankunft der „Granma“ war verraten worden und der Kapitän hatte den vereinbarten Landeplatz verpasst. So kamen die meisten Guerilleros schon bei der Ankunft um.

Nach einer halsbrecherischen steilen Auffahrt im Geländewagen führt ein steiler Pfad hinein in die Nebelschwaden. Schlammlöcher und rutschige Wurzeln fordern immer wieder ihre Opfer. Völlig verdreckt erreichen wir „La Commandantia“. In der Ansammlung aus Hütten organisierten die Revolutionäre den Widerstand. Der weiße Kühlschrank, ein US-Modell, hat ein Einschussloch. Ches Hängematte sorgt für Revolutionsromantik. Wer ein Foto machen will, wird ganz ordentlich zur Kasse gebeten. Widersprüche in einem Land im Wandel.