Kategorie: Asien

Usbekistan: Die Seidenstraße in neuem Glanz

Von: Martin Wein (Text + Fotos)

Erster Paukenschlag dann 300 Kilometer südwestlich in Samarkand. Der Registan-Platz ist wohl das schönste Wohnzimmer Asiens. Drei mächtige Medresen umschließen ihn in imposanter Harmonie. Ein Ausrufezeichen der Blütezeit im 15. bis 17. Jahrhundert, als der legendäre Mongolen-Herrscher Timur-Lenk, bei uns auch als Tamerlan bekannt, ein Großreich und eine machtvolle Dynastie begründete. Die schillernden Majolka-Kacheln in blau, türkis und weiß an den Fassaden müssen den Wüstenreisenden wie ein Wunder erschienen sein. Und unter Gelehrten galten die Hochschulen als erste Adresse. Perfekten Ausblick bietet neuerdings eine weiße Marmor-Empore, die man für Chinas Staatschef Xi Jinping an der offenen Südseite gebaut hat. Mutige können auch im Dunkeln eine steile Wendeltreppe auf ein Minarett hochsteigen. Der Ausblick ist grandios, bei 45 Zentimeter hohen Stufen aber auch ein Muskelkater garantiert. Der Muezzin tut sich das schon lange nicht mehr an.

Noch verwunschener ist ein Gräberfeld, das in die Mauern der vorchristlichen Festung Afrosiab entstand. In Shah-e-Sende ließen sich die Edlen an Timurs Hof prunkvolle Mausoleen mit wunderbarem Sternen- und Blumendekor errichten. Auch ein Cousin Mohammeds soll hier begraben liegen und zieht täglich Pilgerscharen auf den Grabhügel. Timur selbst liegt unten im Tal in einem eigenen Grabkomplex unter einer mächtigen Tambour-Kuppel und einem Scheinsarkophag aus schwarzem Nephrit tief in der Erde bestattet. Seit der Unabhängigkeit wird er als Nationalheld verehrt.

Noch mehr in die Zeit der Karawanen eintauchen kann man in Buchara jenseits der Serafshan-Berge. Lebensgroße Holzdromedare ruhen um das große Wasserbecken im Zentrum der Altstadt, als seien sie von einer Karawanengesellschaft zur Rast hier abgestellt worden. Kleine Mädchen im Sonntagsstaat klettern auf ihre Höcker. Eine Schülergruppe posiert davor für ein Selfie. Die Pilgerherberge Devon Begi im Hintergrund wurde im 16. Jahrhundert eigens so angelegt, dass ihre Kuppeln und Türme sich im Wasser spiegeln. Links und rechts davon prägen zwei mächtige Koranschulen das Bild. An Tischen um das Becken sitzen Männerrunden im Schatten der Maulbeerbäume hinter Porzellanschalen mit grünem Tee. Der würzige Duft von frisch gegrilltem Schaschlik liegt in der Luft. Aus Lautsprechern dröhnen neoorientalische Techno-Beats. In ihrem Takt schlägt hier am Labi Hauz, dem einst lebenswichtigen Wasserreservoir, das Herz der Seidenstraßen-Romantik.