Kategorie: Asien

Usbekistan: Die Seidenstraße in neuem Glanz

Von: Martin Wein (Text + Fotos)

Viele  Baudenkmale in der Altstadt wurden kostspielig saniert, darunter die mächtige Festung Ark, das weithin sichtbare Kolon-Minarett von 1127 oder das viertorige, turkmenische Portal Chor Minor, das als usbekisches Taj Mahal gerühmt wird. Ein erstes Stadttor wurde wieder aufgebaut. Bis 2020 soll die ganze Stadtmauer aus Lehmziegeln wieder stehen. In die alten Handelsgewölbe zogen Teppichhändler und Puppenmacher ein. Ein Händler schenkt probeweise Gewürztee mit Anis, Nelke, Kardamom, Zimt, Safran, Pfefferminze und Basilikum aus. Immer neue Hotels im traditionellen Dekor eröffnen. Obwohl noch schätzungsweise 10 000 Menschen hier leben, wirken Teile der Altstadt aber museal. 80 Jahre Sozialismus haben den Orient zurückgedrängt.

Davon kann auch Israel Khan tagtäglich ein Lied singen. In der alten Pilgermoschee Chor Bakr vor den Toren der Stadt wartet der Mullah auf Gläubige. Fünfmal am Tag steht er vor dem Portal und ruft zum Gebet. „Ich bin schon froh, wenn überhaupt jemand kommt“, sagt Khan. Zwar gebe es ein gewisses Interesse am Islam, aber die meisten Usbeken betrachten Religion eher distanziert als Ergänzung ihres Lebensstils. Sie trinken Wodka und Bier und essen gelegentlich auch vom Schwein. Frauen schminken sich nach russischer Art eher üppig als dezent, seit 1927 alle verhüllenden Ausgeh-Mäntel öffentlich verbrannt wurden. Oft muss der Mullah Pilgern erst einmal erklären, wie man eigentlich richtig betet.