Kategorie: Kerala, Indien, Asien

Indien: Die Trommler von Kovalam

Von: Martin Wein (Text und Fotos)

An den feuchtheißen Stränden Süd-Indiens könnten Manager lernen, wie man die Konsumflaute behebt. Ein Verkaufsgespräch unter Palmen.

Tausende Pilger juckeln in bnt bemalten Bussen bis an die Südspitze Indiens, wo sich drei Ozeane treffen.

„Hello Mister, need a drum?“ Nichts braucht man dringender am heißen Strand von Kovalam Beach als eine Trommel. Trotzdem muss schon aus ziemlich hartem Holz geschnitzt sein, wer der Charmeoffensive der jungen Verkäufer ganz unten in Indiens Süden widersteht. Mögen selbst in der Hightech-Metropole Bangelore die Bettler direkt vor den IT-Firmen ihre Zelte aufschlagen. Mögen Kühe, knatternde Tuk Tuks und Tempelelefanten die Städte prägen. Mag die Überbevölkerung so drückend wirken, dass selbst auf freiem Feld binnen Sekunden jemand zwischen Zuckerrohr und Kapokbäumen hervorlugt. Schon ein kleines Verkaufsgespräch zwischen den Jahren, der einzigen halbwegs erträglichen Reisezeit für Europäer in Indiens Süden, zeigt, warum das Milliarden-Volk so von der Globalisierung profitiert.

Nur 400 Rupies will der junge Strandhändler für seine hübsche Minitrommel, umgerechnet sechs Euro. Und weil ja gerade Weihnachten war, gibt er sie auch für 300 her. Und ja, die Sonne scheint, also gut für 200. Schlag ein, Mister, das ist doch ein Wort, sagt er in liebenswerten Pidgin-Englisch, denn von seiner Muttersprache Malayalam haben Ausländer noch nicht einmal gehört. Und dass die Sonne hier immer scheint, muss der Reisende ja nicht wissen.













Der Handel floriert an der Malabarküste bei Thiruvananthapuram. Seit der Portugiese Vasco da Gama 1498 als erster Europäer sein Schiff hier festmachen ließ, ist der feucht-heiße Küstenstreifen im Schatten der West-Ghats ein Traumziel für Abenteurer mit Geschäftssinn. Teak- und Sandelholzbäume wachsen an den sumpfigen Lagunen, Kaffee- und Tee-Sträucher an den Hängen der Berge. Pfeffer gab der Küste ihren Namen. Und aus dem Ozean holen sie Fische und Mollusken, die mit großen Augen auf dem Fischmarkt von Kovalam auf Käufer warten.