Große, traurige Augen macht jetzt auch der Trommelverkäufer am Strand. Ja nun, es sei ihm ja peinlich, druckst er herum, doch das mit der Trommel gehe irgendwie gar nicht. „Die ist doch für Kinder“, sagt er und greift unter den zahlreichen Modellen, mit denen er behangen ist wie ein Mobile, zum nächst größeren. „Probieren Sie mal“, sagt er strahlend, „nur 600 Rupies teurer, aber dreimal so gut.“ Lumpen lässt er sich nicht. 300 Rupies mehr tun’s auch, sagt er, denn der Geschäftspartner hat es eilig mit den Nachverhandlungen. „Oder“, raunt der Händler leise wie Schlemihl aus der Sesamstraße, der immer ein A verkaufen wollte, „oder 600 Rupies gleich für eine ordentliche Trommel, so von Mann zu Mann.“ Wer kann da nein sagen. Aber, sagt er mit Schalk in den Augen, ja nicht weitersagen, dass er die Preise verderbe. Sonst seien die anderen sauer.
Oben vom Leuchtturm fällt der Blick auf die üppig grüne Küste, deren Hinterland, die Backwaters, man in schmalen Einbäumen auf zahllosen Kanälen erkunden kann. Im Norden liegen Cochin, der ehemalige Handelstützpunkt der Portugiesen auf einer vorgelagerten Insel, und das sagenhafte Mysore, dessen märchenhafter Maharaja-Palast im 19. Jahrhundert Europas Phantasien beflügelte. Ganz im Süden liegt Kap Komorin, eine Weihestätte der indischen Nation. Hier ließ Mahatma Gandhi nach seinem Tod seine Asche in drei Meeren verstreuen. Ein Pilgerort aber auch für gläubige Hindus, die in bunt bemalten klapprigen Reisebussen oft viele Tausend Kilometer hierher juckeln, sich ergriffen im Meer reinwaschen und dann die Hunderte von Andenkenständen inspizieren. Jeder versucht, seinem Leben etwas Glück abzuringen. Im reichen Kerala mit seinem guten Bildungswesen und seiner christlichen Minderheit, einer Hinterlassenschaft der Portugiesen, stehen die Kastenschranken dem nicht so bleiern im Weg wie andernorts auf dem Subkontinent.