In den Dünenfeldern der Edeien Urbari gibt es noch heute keine Wegweiser oder Asphaltstraßen. Wer sich zu den sagenhaften Oasen von Mandara aufmacht, der ist auf die Ortskenntnis der Tuareg oder die Peildaten des Navigationssystems angewiesen. Die besten Landkarten dieser gottvergessenen Gegend stammen noch immer aus dem letzten Weltkrieg. Über 200 Meter hoch häuft der ständige Wind die rotgoldenen Sicheldünen in diesem gewaltigen Becken auf, treibt sie weiter, zerstäubt sie und lässt seine Last anderswo wieder fallen. Schon nach wenigen Minuten ist die Teerstraße vergessen. Funken sprühend, mit aufheulendem Motor und in voller Fahrt nimmt der rostige Jeep Anlauf für den nächsten Dünenkamm. Doch im weichen Sand des messerscharfen Grates drehen die Vorderräder durch, gräbt sich das Fahrzeug immer tiefer in den Untergrund und bekommt bedenkliche Schräglage.
Mit reichlich Trinkwasser versehen und kaum 45 Kilometer von der nächsten menschlichen Behausung entfernt, ist dieser Abstecher in der Fahrzeugkarawane heute kein echtes Wagnis mehr. Unter Wüstenfans ist Libyen zu einem Geheimtipp geworden, seit Oberst Muammar al-Gaddafi sein Land 1992 für Besucher öffnete. Nachrichten von Trainingslagern für Terroristen, von Giftgasfabriken und das Flugembargo schrecken viele Reisende ab, Nachrichten allerdings, die sicher nur einen ausgewählten Teil der Wahrheit zeigen. Denn ungeniert bezieht Deutschland den größten Teil libyschen Öls, arbeiten 10.000 deutsche Fachleute dauerhaft im Ölgeschäft, im Straßen- und Wasserbau. Libyen ist ein Polizeistaat, wo mehr verboten als erlaubt ist. Und dennoch leben die Menschen in für afrikanische Verhältnisse beachtlichem Wohlstand, erhalten ihren Anteil an den Erlösen des Ölgeschäftes.