In diesem durch und durch islamischen Land ist willkommen, wer sich den Sitten und Moralvorstellungen unterwirft, wer auf Komfort und Alkohol verzichten kann, wer mit ausreichender aber eintöniger Verpflegung zufrieden ist. Erstrangige Kulturschätze und einmalige Naturräume wirken wie ein Magnet für Abenteurer aus aller Welt. Menschen begegnet man unterwegs dennoch selten. Fünfmal so groß wie die Bundesrepublik, verschluckt das riesige Wüstenland die 4,5 Millionen Araber und Berber, Tuareg und Tubu, die ausländischen Facharbeiter und die paar tausend jährlichen Besucher wie ein Schwamm.
Kaum ist der robuste Geländewagen wieder freigeschaufelt, kippt er nach vorne und poltert scheinbar senkrecht fallend dem nächsten Dünental entgegen. Zwei Stunden, ein durchgeschmortes Bremskabel und viele Liter Kühlwasser später, tauchen im blendenden Gelb der wogenden Sandberge die schimmernden Wasser der Oasenkette auf. Wie einer Werbereklame für Orangensaft entnommen, erlauben die Seen von Mandara auf einem wenige Meter breiten Streifen an ihren Ufern üppige, sattgrüne Vegetation. Am größten See dieses Wüstenwunders lebte bis vor kurzem das legendäre Volk der Daouadas. Niemand weiß, wer diese Menschen waren, woher sie kamen oder wohin sie gingen. Sie lebten von den blutroten winzigen Garnelen im See, die sie zu proteinreicher Paste stampften.
Unbekannt ist auch, wer vor 9000 Jahren Nilpferde, Strauße, Giraffen und anderes Großwild mit wenigen Strichen aber anatomisch beeindruckend korrekt in die zerklüfteten Wände des Wadi Mathandous, 300 Kilometer südlich meißelte. Die Felsgravuren zeugen von einer Zeit, als die Sahara eine lebensfreundliche Savanne war. Heute leben nur noch Hornvipern in dem ausgedörrten Trockental, die unvorsichtige Besucher mit ihrem tödlichen Biss bedrohen. Noch weiter südlich schließt sich als Ausläufer des algerischen Tassili-Gebirges der Akkakus an. Wie auf fremdem Planeten ragen drohend schwarze und braune Felstürme und -tore aus dem sie umspülenden Sand. In steinzeitlichen Siedlungsplätzen und geheimnisvollen Opferstätten finden sich noch heute Werkzeuge und Faustkeile der prähistorischen Siedler.