Kategorie: Libyen, Afrika

Durch das Sandmeer von Murzuq

Von: Martin Wein

An der Küste des Mittelmeeres siedelten schon in antiker Zeit Griechen und Römer in prächtigen Städten. Das römische Theater von Sabratha mit seinem Bühnenhaus und den filigranen Reliefs gilt als das schönste der Welt, und das Ruinenfeld der dekadenten Handelsstadt Leptis Magna protzt mit Marmor wie kaum ein zweites.

Und doch waren trotz aller Naturwunder und Kulturschätze die belebten Karawanenwege durch Libyen auch für die Forschungsreisenden des 19. Jahrhunderts nur Durchgangsstation. Der Aufbruch zu unbekannten Ländern und erhofften Reichtümern südlich der Wüste begann in Murzuq. Kaum ein Ort der Sahara hat den betörenden Klang dieser Drehscheibe zwischen Europa und Schwarzafrika am Kreuzungspunkt mehrerer Karawanenstraßen. Kein Sklavenmarkt war größer, kein lokales Herrschergeschlecht war mächtiger als die Könige von Murzuq. Auch Pioniere wie Friedrich Hornemann, Gustav Nachtigall und Heinrich Barth machten immer wieder Station im Schatten des gewaltigen türkischen Forts. Morgens um sechs, wenn die Sonne golden zwischen den Wipfeln der Dattelpalmen und dem Halbmond der alten Moschee über dem verschlafenen Nest aufsteigt, lässt sich von der Festung noch die orientalische Magie erspüren, die Generationen von Wagemutigen sehnsüchtig in die Ferne zog.