An Tag vier unserer Expedition ankern wir nach der Seenotübung und zwei mäßig stürmischen Tagen in einer ruhigen Bucht. Westpoint Island heißt der Flecken Land im Falkland Archipel, 600 Kilometer vor der argentinischen Küste. Geographisch sind wir in Afrika, zu dessen Platte der Inselrücken gehört, haben wir unterwegs dem Logbuch entnommen. Mit dem Tempo, in dem Fingernägel wachsen, treibt er davon. Faktisch sind wir in Großbritannien und bekommen einen Stempel in den Pass.
Grüne Hügel schmiegen sich um die Bucht mit dem aufgepflanzten Union Jack. Seit 1968 bewirten die Insel-Eigner Lilly und Roddy Napier jeden Besucher persönlich mit Tee und britischen Scones. Ihr weißes Häuschen duckt sich hinter hohe Hecken, als liege es in Cornwall. Doch zwei Kilometer weiter brüten Felsenpinguine mit ihren lustigen blondgelben Kopffedern zwischen Albatrossen. Deren Küken sehen aus wie Bibo aus der Sesamstraße und locken mit ihren großen schwarzen Kulleraugen den Alten reichlich Futterbrei aus dem Kropf. Aus hüfthohen Gräben schauen ihnen die Touristen zu. „Smurfs“, Schlümpfe, nennt uns Roddy wegen der hellblauen Jacken, die jeden Teilnehmer leicht erkennbar machen.
Am nächsten Morgen erreichen wir Port Stanley, Hauptstadt der Falklands und britischer Außenposten seit 1843. 2000 Menschen leben hier im Südatlantik, die meisten arbeiten auf dem Militärstützpunkt. Dorthin führt auch die einzige Straße durch eine karge Mondlandschaft. Viele Flächen links und rechts sind noch vermint hier aus Zeiten des Falkland-Krieges. Aus imperialem Stolz und verbissener Beharrlichkeit halten die Briten an diesem Flecken Land fest. Am 8. Dezember 1914 versuchte das deutsche Ostasiengeschwader unter Vizeadmiral Maximilian Graf von Spee von hier aus in die Heimat zu segeln. Die Briten versenkten die zwei Panzerkreuzer, drei Kreuzer und das Hilfsschiff, 2200 Seeleute starben. Ein Denkmal am Hafen erinnert an den Sieg, ein anderes an die erfolgreiche Abwehr der argentinischen Besetzung 1982, als Falkland das letzte Mal in den Schlagzeilen war.