Jetzt ist der Archipel weitgehend vergessen – und Neil und Glenda Watson auf ihrer Farm auf dem moorigen Long Island erst Recht. Düster ist das Land hier und im Südwinter selbst das nur 30 Meilen entfernte Stanley unerreichbar. Torfsoden heizen das Haus, die 3000 Schafe liefern Wolle, die 70 Kühe Milch und Butter, die drei Katzen einen Rest von Behaglichkeit. „Danke fürs Kommen“, sagt Neil beim Tee im Wohnzimmer, „ohne eure Eintrittsgelder könnten wir nicht überleben.“ Das Vieh dürfe er hier nicht verkaufen, weil es keinen EU-zertifizierten Schlachthof gebe. So fliegt das Militär es nach London und importiert von dort Beefsteak für die Inseln. Noch Tee?
Zwei Tage auf See vergehen wie im Fluge mit Vorträgen, Sauna-Gängen und reichlich Salat, frisch gehalten zwischen dünnen Schichten körnigen Eises. Am 12. Januar erreichen wir die Antarktische Konvergenz und dringen damit ein in den Antarktischen Ozean. 150 Millionen Kubikmeter Wasser in der Sekunde fluten hier im Uhrzeigersinn um den Südkontinent. Es wird kühler an Deck und feucht.
Und was lockte die Menschen vor 100 Jahren in diese Breiten, als es noch keinen Whirlpool auf Deck 7 gab und keinen „Sex on the Beach“ zur Happy Hour in der Panorama-Lounge? Pelzrobben. 57 000 Exemplare tötete eine einzige Schiffsbesatzung rund um die Insel Südgeorgien zwischen 1800 und 1802, weiß der Biologe Rudolf Thomann aus dem Expeditionsteam der „Fram“. 1904 ging dann die erste Walfangstation in Betrieb. Bis 1965 wurden auf Südgeorgien 175 000 Wale zu Tran verkocht. Nur noch vier Prozent der Population leben heute. Da scheut sich Expeditionsleiterin Karin Strand nicht, ihre Schäfchen kurz vor Mitternacht an Deck zu rufen, weil eine Schule Buckelwale neben dem Schiff treibt.