Kategorie: Antarktis

Antarktis: Eisige Einsichten

Von: Martin Wein (Text und Fotos)

Eine Reise in die erst 1820 entdeckte Antarktis ist keine echte Strapaze mehr. Die Eindrücke aus der Kühltruhe des Planeten sind trotzdem einmalig. Teil 2: Süd-Orkney-Inseln - Antarktische Halbinsel.

Adeliepinguine in Port Lockroy vor der Küste der Antarktischen Halbinsel.

Nach drei Tagen unter Pinguinen und 515 nautischen Meilen auf See erreichen wir am 16. Januar die Süd-Orkney-Inseln. Kaum ein Ort erscheint unwohnlicher auf diesen 3336 Seemeilen durchs Südmeer. Außerplanmäßig gehen wir an Land. „Ist schließlich eine Expeditionsreise“, sagt Karin Strand fröhlich. Auf Laurie Island besuchen wir die argentinischen Militärs und Forscher in der signalroten Container-Station „Orcadas“. Es schneit leicht und weht erheblich. Die Schlauchboote wiegen sich in der Brandung. Zügelpinguine watscheln zur Begrüßung über den Steinstrand. Mit ihren schwarzen Streifen am Kopf sehen sie aus wie Harlekins.

In unseren Gummistiefeln stapfen wir zu den Resten jener Steinhütte, in der der Schotte William Speirs Bruce 1903 überwinterte. Seither ist der Besitz der Inseln zwischen Großbritannien und Argentinien umstritten. Derzeit sind sie herrenlos unter dem Antarktis-Vertrag, aber wer weiß, was der Klimawandel und die erwarteten reichen Bodenschätze der Region in Zukunft bringen? Deshalb liest unser Gastgeber Antonio jeden Tag zwei Messwerte in der Wetterstation ab, die man auch elektronisch erfassen könnte. Deshalb haben sie die alte, windschiefe Station als Museum hergerichtet, um die Dauer ihrer Präsenz zu unterstreichen. Flagge zeigen auf 60 Grad südlicher Breite. Nur sieht das kaum jemand. Wir sind die ersten seit sechs Wochen, denen die Männer T-Shirts verkaufen können.

Nun sind es nur noch 179 Seemeilen bis Brown Bluff an der Spitze der Antarktischen Halbinsel nur drei Breitengrade nördlich des Polarkreises. Mächtige Wellen türmen sich auf, im Restaurant wird es ruhiger. Bei einem Vortrag werden 20 Zuhörer von einer Welle mit ihren Stühlen umgeworfen wie Dominosteine. So etwas verbindet.  Kapitän Steinar Hansen umfährt einen Orkan um Elephant Island und steuert mit 13 Knoten ans Ziel unserer Träume: Das antarktische Festland. Viele Kreuzfahrt-Touristen werden es nie betreten, denn nur 100 Menschen dürfen überall hier gleichzeitig an Land. Die großen Schiffe verzichten deshalb auf Landgänge in diesen Breiten.