Zehntausende schwarzweiße Adelie-Pinguine hüpfen an der braunen Klippe über die Eisschollen an Land zu ihren Küken. Dominikanermöwen sitzen etwas beleidigt abseits. Wie Ameisen bilden die hektischen Pinguine Schnellstraßen, auf denen wir blauen „Schlümpfe“ ihnen besser nicht im Weg stehen. Die Natur hat hier absolut Vorrang, dem müssen Besucher schriftlich zustimmen, zumal die Pinguine in dieser harschen Umgebung ohnehin zu knapsen haben. Ungemein lustig rutschen sie übers Eis und springen ruckartig in hohem Bogen ins kalte Wasser. Dabei leiden sie in Wahrheit Todesängste, denn Killerwale und Seeleoparden warten vor der Küste auf sichere Beute. Wie verschlagen die räuberischen Robben schon aussehen, können wir Tage später bei einer Anlandung aus nächster Nähe erleben, als sich ein Exemplar auf einer Scholle sonnt. „Im Wasser greifen die auch Menschen sofort an“, sagt Biologe Thomann. Wie war das mit der Riviera?
Wir wagen uns weiter nach Süden. In der Nacht erhellen Suchscheinwerfer unseren Kurs und fahnden nach mächtigen Eisbergen voraus. „Wenn du in der Antarktis bist, bestelle deine Getränke ohne Eis. Sonst siehst du wie ein Tourist aus“, steht als anonymes Zitat des Tages auf der Tagesinformation. Durch die 200 Meilen lange Bramsfield Strait gleiten wir am Morgen des 20. Januar bis Petermann Island auf 65 Grad, 10 Sekunden Süd und 64 Grad 10 Sekunden West kurz vor der Packeisgrenze, dem Scheitelpunkt unserer Erkundung. Erst 1873 hat sie der deutsche Walfänger Eduard Dallmann entdeckt. Auch hier nisten Pinguine und Blauaugenkormorane zwischen Felsen und Schnee und in aufgetauten Eispfützen tummeln sich genügsame Würmchen, die einzigen Wirbellosen dieser Breiten.