Kategorie: Großbritannien, Fundstücke

Englands Heimleuchter

Von: Martin Wein

An vielen Küsten gehen die Lichter aus. Satelliten-Navigation ersetzt Leuchttürme und Feuerschiffe. Jürgen Tronicke will sich damit nicht abfinden. Als Chairman der World Lighthouse Society und als Buchautor wirbt er für die kultur- und architekturgeschichtliche Bedeutung der Seezeichen. Dass die nicht nur als technische Meisterwerke, sondern häufig auch als architektonisch reizvolle Wegmarken längst zum unverwechselbaren Mobiliar der Küstenlandschaft gehören, illustriert Tronicke in seinem jüngsten Streifzug durch England, Wales und die Kanalinseln mit Hunderten eindrucksvoller Fotos und liebevoll geschriebenen Texten voller technischer und biographischer Details. Wie ein umgedrehtes Ausrufezeichen zeigen die Aufnahmen etwa den rotweiß geringelten putzigen Leuchtturm von Beachy Head vor den steilen Kreidefelsen der Südküste. Mit einer wackeligen Drahtseilbahn wurde vor 110 Jahren das Material zu seinem Bau von der Klippenkante hinab zu einer Arbeitsplattform transportiert. Bis in die 1970er-Jahre mussten die Leuchtturmwärter bei dem häufigen Nebel alle zehn Minuten eine Ladung Schießbaumwolle als akustische Warnung zünden. Erst nach der Elektrifizierung 1983 ging die letzte Besatzung an Land. Das Leuchtfeuer vor den tückischen Klippen möchte an der Küste indessen niemand missen. 

Jürgen Tronicke, Wächter an rauen Küsten. Eine Reise zu den Leuchttürmen in England, Wales und auf den Kanalinseln, Koehlers Verlagsgesellschaft, Hamburg 2012, 271 S. 24,95 Euro