Kategorie: Südafrika, Afrika

Südafrika: Erst brüllen, dann wird's gemütlich

Von: Martin Wein (Text und Fotos)

Im staubtrockenen Dreiländereck von Südafrika, Botswana und Namibia liegt eine der einsamsten Naturlandschaften der Erde. In den Dünen und Trockentälern des Kgalagadi Transfrontier Parks haben Löwen noch das Sagen.

Erst etwas brüllen, dann wird’s gemütlich. Wenn die Löwen erstmal in Hitze sind, kann das Liebesspiel zwei Tage lang dauern.

Prachtvoll sollen sie sein, die Wüsten-Löwen der Kalahari. Als Jugendlicher habe ich den voluminösen Erlebnisbericht des britischen Ehepaares Delia und Mark Owens verschlungen, die den Raubkatzen in den trockenen Flussbetten der afrikanischen Halbwüste jahrelang auf eigene Faust nachspürten. Seither klingt der „Ruf der Kalahari“ fast märchenhaft in den Ohren. Kann man einfach so losfahren und Löwen suchen – ganz ohne Zoowärter und Großwildjäger und fern der viel befahrenen Asphaltstraßen des weltberühmten Krüger Parks?

Man kann es zumindest probieren. Der Versuch beginnt in Upington, Grenzposten der ehemaligen Buren-Republik Oranje-Freistaat und Garnisonsort der legendären Kamel-Patrouille. Das nördlichste Weingut Südafrikas produziert hier an den grünen Ufern des Oranje-Flusses vor allem süffigen Weißwein. Weiter nördlich wagten sich selbst die zähen Buren nicht auf ihrem großen Treck. Als schnurgerades Band sticht dagegen heute die Nationalstraße 360 von Upington in nördlicher Richtung hinein in die flirrende Hitze des afrikanischen Hinterlandes. Nach Norden heißt hier: In die Kalahari-Wüste, das „durstige Land“, wie die ersten negroiden Siedler, die Kgalagadi, sie nannten. 260 einsame Kilometer sind es vom Oranje bis zu der Stelle, wo die Trockentäler des Auob- und des Nossob-Flussses aufeinander treffen. Dort endet die schmale Asphalt-Straße – und das große, weite Herz Afrikas beginnt zu schlagen.

Vorher aber heißt es Eis kratzen. Im Südwinter sind in sternklarer Nacht die Scheiben des Mietwagens auf dem Zeltplatz mit Morgentau überfroren. Mit gefüllten Wasserflaschen und korrekten Papieren rollt man anschließend durch einen Checkpoint mit Viehgitter hinein ins Abenteuer. Im Jahr 2000 wuchs hier zusammen, was zusammengehört. Botswana und Südafrika vereinigten ihre Schutzgebiete inmitten der Wüste, rissen alle Zäune und Grenzposten ein und gründeten eines der größten internationalen Wildschutzgebiete der Erde. Mit 38 000 Quadratkilometern ist der Kgalagadi Transfrontier Park nur etwas kleiner als Niedersachsen (47 000 km²). Auf einer der schmalen Sandpisten rollt der kompakte Chevrolet in die Wildnis. Links und rechts heben Springböcke kurz den Kopf, als das Fahrzeug vorbeirollt. Bald ziehen im Hintergrund drei Oryxantilopen mit ihren spitzen Hörnern vorbei – perfekt angepasst an das Leben hier draußen. Genau wie im Serengeti-Park, wunderbar!

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