Kategorie: Türkei, Asien

Erst Tempelbauer, dann Ackerbauern

Von: Martin Wein

Erst zäunte der fleißige Mensch sein Gärtchen ein, dann band er die Ziege an und trieb den Esel aufs Feld. Sonntags wurde geruht – und damit die Ähren sprossen und die Kühe kalbten, ging man in den Tempel und opferte den Göttern. So erklärte man bislang den Beginn der Kulte. Göbekli Tepe erzählt eine andere Geschichte der „Neolithischen Revolution“ gegen Ende der letzten Eiszeit. Hier waren Menschen am Werk, die hier offenbar nicht zuhause waren. Wildbeuter, die sich allenfalls zusammentaten, um das wertvolle Wildgetreide gegen gefräßige Esel und Gazellen zu verteidigen. „Zuerst kam der Tempel, dann kam die Stadt“, bringt Schmidt die neue Lehre auf den Punkt. Die Lehmbauten von, deren erste Häuser etwa zeitgleich entstanden, ändern an diesem Sinneswandel nichts, denn sie dürften noch kaum die Bezeichnung „Stadt“ wert gewesen sein. Menschen, die selbst noch kein festes Dach über dem Kopf hatten, schufen dagegen in Göbekli Tepe monumentale Kultanlagen mit rund 300 Metern Durchmesser. Ob es Grabstätten waren oder Opferplätze für Naturgottheiten oder Totems der Ahnen, wie Schmidt glaubt, ist dabei noch gänzlich unklar.