Kategorie: Frankreich, Europa

Frankreich: Am Fluss der Sonne entgegen

Von: Martin Wein (Text + Fotos)

Ein neuer Radweg führt im Tal der Rhône vom Genfer See ans Mittelmeer. En route verlocken blonde Schokolade, Wein und weiße Krokodile zum Absteigen – und Zeugnisse aus 36 000 Jahren Menschheitsgeschichte.

Bei Tournon führt eine Hängeseilbrücke mit wunderbarem Panorama über die Rhone.

Die Route ist legendär. Als bezahlter Urlaub den Tourismus der Massen möglich machte, tuckerten in den 1950er Jahren endlose Blechkarawanen auf der Nationalstraße 7 von Paris durch das Tal der Rhône ans Mittelmeer. Ein wenig war diese kollektive Flucht eine Rückkehr zu den Wurzeln. Schließlich waren vor 36 000 Jahren die ersten modernen Menschen auf diesem Weg genau in Gegenrichtung ins kühle Mitteleuropa eingewandert. Später haben die Römer ihre Lastkähne stromauf getreidelt und Wein, Oliven und das savoir vivre mitgebracht.

Wer die Spuren der vielen Durchreisenden früherer Zeiten entdecken möchte, der rauscht nicht im Auto in fünf Stunden von Paris durch bis Marseille. Der neue Fernradweg Via Rhôna vom Genfer See bis ans Mittelmeer verlockt jetzt zum entschleunigten Genuss-Radeln. Ab Ende Juli sind die gesamten 815 Kilometer von St. Gingolph bis Port-St.-Louis du Rhône bei Marseille bzw. dem Plage de l’Espiguette südlich von Nimes durchgehend ausgeschildert. Besonders lohnt sich indessen der Abschnitt von Lyon im Norden bis Avignon im Süden. Hier folgt der Fluss noch auf weiten Strecken seinem natürlichen Bett und der Radweg schlängelt sich überwiegend auf grünen Wegen abseits der Straßen talwärts. Zudem bieten 38 Stationen müden Radlern unterwegs Anschluss an die Regionalzüge TER.

Natürlicher Startpunkt ist die enge Landzunge mitten in Lyon, an der sich die Rhône mit der Saône vereinigt. Das architektonisch gewagte Musée des Confluences greift seit 2014 den exponierten Standort auf und beschäftigt sich mit Wechselwirkungen von allem und jedem – und das natürlich multimedial. Drinnen in der Stadt an der Rue de Martinnière erinnert ein täuschend echte Illusionsmalerei an die großen Köpfe der Stadt von Kaiser Claudius bis zu Paul Bocuse, den Brüdern Lumière – den Erfindern des Kinos – und dem Physiker André-Marie Ampère.

1

2

3

4

vor >