Kategorie: Frankreich, Europa

Frankreich: Am Fluss der Sonne entgegen

Von: Martin Wein (Text + Fotos)

Die Anlage immerhin bescherte der Region vor 20 Jahren das größte Gewächshaus Frankreichs in Pierrelatte. Heute wird es allerdings nicht mehr mit Kühlwasser beheizt, sondern mit Holzpellets. Unter den Glasscheiben räkeln sich 300 Nilkrokodile, darunter auch zwei Albinos, und viele andere seltenere Echsen in der dschungelartig angelegten Krokodil-Farm. Handtaschen gibt es keine. Das Unternehmen betreibt nur eine Erhaltungszucht. Besonders eindrucksvoll sind die Fütterungen mittwochs und sonntags, wenn die scheinbar steifgefrorenen Echsen mit einem einzigen tönernen Aufprall ihrer Kiefer ganze Hühner zerstückeln.

Vor der Weiterfahrt in Richtung Orange und Avignon lohnt für gut trainierte Radler bei Saint-Martin-d’Ardéche unbedingt ein Umweg auf der Panoramastraße hoch über der berühmten Schlucht mindestens bis zum imposanten Felsbogen Pont d’Arc. In einer Felswand in direkter Nachbarschaft entdeckten Höhlenforscher 1994 die ältesten Höhlenbilder der Welt. In einer Zwischeneiszeit vor 36 000 Jahren haben hier die ersten modernen Menschen Europas mit Holzkohle Wollnashörner, Mammuts, Wildpferde, Raubkatzen und einen Uhu mit ihren charakteristischen Eigenarten in die dunkelsten Winkel der weitläufigen Höhle gezeichnet. Seit 2014 sind die Bilder in einer originalgetreuen Kopie der Höhle ausgestellt, der vor 21 000 Jahren durch einen Erdrutsch verschüttet und so in einer Zeitblase erhalten wurde. Womöglich sehnten sich die ersten Künstler der Geschichte wie die Touristen heutiger Tage einfach nach einem schönen Sommer. Schließlich haben sie fast nur Szenen aus dem Frühling an die Höhlenwände gebracht. „Sie hatten allerdings mehr Grund dazu als wir“, findet Höhlenführer Gerhard Nel, „damals war es im Winter oft kälter als -20 Grad. Und im Sommer kaum mehr als 15.“