Kategorie: Südafrika, Afrika

Südafrika: Frühling im Namaqualand

Von: Martin Wein (Text und Fotos)

Wenn der Westwind im Winter ausreichend Regen bringt, erblüht die Wüste im Namaqualand im August und September in allen Farben wie nirgends sonst auf der Welt. Südafrika öffnet nur in diesen Wochen die Tore seiner speziellen Blumenschutzgebiete.

Gelbe und orange Daisys bringen die Halbwüste im Namaqualand jeden August zum Leuchten.

Fast wäre man vorbeigefahren: Ein winziges braunes Hinweisschild lockt Blumenfreunde von der Nationalstraße 7 zwischen Kapstadt und der Grenze zu Namibia. Über eine Sandpiste geht es ein paar Kilometer zurück durch grüne Hügel im Schatten des Kamiesberges. Schafe und Rinder grasen dort zwischen dornigen Büschen. Hier irgendwo – fern der üblichen Touristenpfade – sollen die Blumen blühen, die jedes Jahr ganze Busladungen Schaulustiger aus Japan locken, aber in Deutschland noch fast unbekannt sind.

Vorsichtige Nachfrage im Hotel Kamieskroon, einem weiß getünchten Farmhaus mit überdachter Veranda. „Sie blühen – und wie“, versichert Besitzer Helmut Kohrs, der das Haus nun in dritter Generation führt. Im übrigen Jahr komme kaum ein Reisender in seine 24 Gästezimmer, doch jetzt könnte er wohl 150 Räume vermieten. Auf einer kopierten Landkarte malt Kohrs bunte Kreise um hoch gelegene Bergtäler und sandige Ebenen. Da sei es gerade am schönsten – und natürlich im Nationalpark. Unter der Nationalstraße hindurch führt die Piste dorthin immer gen Westen. Kurz vor der Furt durch einen Wildbach dann das erste Blumenfeld. Wie mit dem Textmarker angemalt recken Zehntausende Namaqua-Gänseblümchen in gelb und orange unter dem blauen Himmel ihre Köpfe der Sonne zu.

Doch das ist nur das Vorspiel, denn im Namaqualand Nationalpark nur wenige Fahrminuten weiter treibt es die Natur noch viel bunter. Rings um die ehemalige Schaffarm Skilpad schießen jeden August Blumenteppiche aus dem Wüstenboden, wie man sie sonst fast nirgendwo zu sehen bekommt. Die Region ist einer von 34 Hotspots der Biodiversität. 6356 Pflanzenarten, vor allem zahlreiche Sukkulenten, wachsen hier, 2542 davon wachsen nur hier. Nachdem die Sonne am frühen Vormittag dieser ersten warmen Frühlingstage ihre volle Kraft erreicht hat, entfalten vor allem die Millionen Daisys, wie die großen Gänseblümchen hier heißen, ihre Blüten. Bis zum Nachmittag folgen sie dem Lauf der Sonne, um sich dann wieder für die kalte Nacht zu schließen. Auf einem Rundkurs rollen Besucher aus aller Welt im Schritttempo durchs Terrain und entdecken auf jeder Hügelkuppe neue spektakuläre Blütenteppiche in gelb, orange, weiß, blau oder violett. Die endemische Bulbinella latifolia reckt darin ihre gelben Pinselblüten kniehoch in den Wind. Jordaaniella spongiosa erfreut mit rosa Kron- und leuchtend gelben Staubblättern. Das himmelblaue Sommer-Vergissmeinicht Anchusa capensis hat es zwar auch in europäische Ziergärten geschafft, doch in seiner Heimat schießt es wie Unkraut in ganzen Talsenken aus dem Boden.

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