Kategorie: Mittel- & Südamerika

Dominikanische Republik: Gaudi der Wälder

Von: Martin Wein (Text + Fotos)

Der Name Dom. Rep. steht für all inclusive schlechthin. Doch es geht auch viel natürlicher. Immerhin steht ein Drittel des Landes unter Naturschutz. Und das Fällen von Bäumen gilt als unschicklich.

An der Playa Limon ist der Massentourismus bislang nicht angekommen.

Toni de Leon ist ein Visionär in Badelatschen. Den Zimmern in seinem Hotel Altos de Caño Ondo gibt er keine Nummern. Er nennt sie zum Beispiel lieber „Nido del Zumbador“ nach dem Kuba-Smaragdkolobri, der um die Blüten unten im Garten schwirrt. Die Zimmerschlüssel hat Señor de Leon an emaillierte Blechtassen gebunden. Die Holztüren, die man damit öffnet, führen in verwinkelte Räume mit Wänden aus rötlichen Korallensteinbrocken und Balkongeländern aus knorrigem Holz. Selbst der Betonboden ist in Erdtönen gestrichen. Außerdem haben die Bauarbeiter darin liebevoll die Abdrücke großer Yaguma- oder Papayablätter aus dem umgebenden Wald gepresst. Die erinnern Señor de Leon an Fossilien, wie man sie nebenan im spektakulären Nationalpark Los Haitises im Osten der Karibik-Insel Hispaniola findet.

Der Architekt und Hotelbesitzer ist ein Antoni Gaudi oder Friedensreich Hundertwasser der Wälder, die er in seinen Bau holt und den er wie selbstverständlich in der Landschaft integriert. Dazu gehört beispielsweise auch der Swimmingpool, für den de Leon einfach den Caño Ondo – den kleinen Fluss – über einen Mini-Wasserfall in ein Staubecken platschen lässt. Abends, wenn der Himmel dann seine Schleusen zum nächtlichen Platzregen öffnet, serviert seine Köchin auf der überdachten Terase im Obergeschoss landestypisches Filete encebollado in Zwiebelsauce oder ein pikantes Bistec a la Criolle. Danach singen die Zikaden und ein unermüdlicher Vogel ruft die ganze Nacht.

Wieso der Hotelier mit seinem 28-Zimmer-Haus ohne Air condition am Ende der Sandpiste von Savanna del Mar ein Visionär ist, zeigt sich trotzdem erst, wenn man alternativ dort vorbeischaut, wo die meisten der jährlich rund vier Millionen Touristen in der Dominikanischen Republik absteigen: all inclusive. Wie ein US-Reichen-Ghetto reihen sich an der Bucht von Punta Cana im sonnenverwöhnten Osten des Landes die Steinmauern der Luxus-Ressorts mit ihren Golfplätzen und Shopping-Malls aneinander. Der Strand ist hell und feinsandig und laute Party-Musik dröhnt von den Schiffen vor der Küste herüber. Als Inbegriff des Luxus gilt hingegen die “Barcadi-Insel” Cayo Levantado vor der Halbinsel Samaná. Hier servieren 1600 Angestellte den erwachsenen Gästen süße Cocktails im Plastikbecher an den Strand und legen saubere Plastikblumen auf die Kissenberge in den Zimmern und Suiten. Schließlich solle kein Ungeziefer die empfindlichen Gäste piesacken, sagt der Hotel-Manager.

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