Kategorie: Nordamerika, USA, Nevada

USA: Gondolieri in der Wüste

Von: Martin Wein (Text & Fotos)

Mitten in der staubtrockenen Mojave-Wüste erfrischen immer neue Wasser-Attraktionen Einwohner und Besucher von Las Vegas. Dabei sind die alten Quellen längst ausgetrocknet – und seit 13 Jahren herrscht Dürre.

Verliebte können sich vor dem Kasino „Venetian“ auch in echten Gondeln an den Wahrzeichen des Canale Grande vorbeirudern lassen.

Zum Lunch der Haie – oder zum Frühstück der Stachelrochen? Im „Shark Reef Aquarium“ in Las Vegas stellen sich schwierige Fragen. Während an den Roulette-Tischen der Kasinos die ersten Spieler Platz nehmen, können Besucher frühmorgens im Touch-Pool den Rochen Shrimps und Krillkrebse zwischen die Kauplatten schieben. Mitarbeiter Greg Nielson zeigt, wie es geht. Krill zerdrücken und zu einem Klümpchen formen, zwischen zwei Finger schieben und dann mit flacher Hand auf dem Beckengrund servieren. Nach der Fütterung zeigt Greg dann nach Abstechern zu den Komodo-Waranen, dem riesigen Arapaima aus dem Amazonas-Gebiet und zu Medusen groß wie Menschenköpfe das Herzstück des privat geführten Aquariums: Aus einem versunkenen Schiffswrack hinaus blickt man in die Weiten des Ozeans, wo sich im blauen Dämmerlicht Sägefische, zehn verschiedene Haifischarten und drei Grüne Meeresschildkröten in einem Ozean aus fünf Millionen Litern künstlich angerührtem Meerwasser tummeln. Mutige können hier sogar Tauchgänge absolvieren.

Nur drei Meilen weiter nördlich steht Jim Johnson mit einer Wasserflasche in der Hand auf einem kleinen Hügel in der Mittagssonne und kämpft gegen das Verlangen, sich den Schweiß aus dem Gesicht zu wischen. In der Ferne grüßen die Riesenbauten der Kasinos wie Luftspiegelungen. Hier im „Springs Preserve“ merkt man wenig von der Hektik der Spieler-Metropole. Rings herum erstreckt sich die Mojave-Wüste mit lediglich vier Millimetern Niederschlag im Jahresdurchschnitt. „Für die ersten Bewohner Nordamerikas ebenso wie für weiße Entdecker war es ein regelrechtes Wunder, hier auf artesische Quellen zu stoßen, ja eine richtige kleine Oase“, sagt Johnson. Mit diesem Schatz wurde Las Vegas – was nichts anderes als „Die Quellen“ bedeutet – ab 1905 zur wichtigen Zwischenstation für die Eisenbahn, ab den 1940ern zum Glücksspieler-Dorado. 2007 hat man den Quellen in dankbarer Erinnerung einen liebevoll gepflegten botanischen Garten mit angeschlossenen Ausstellungsgalerien gewidmet. Der Name „Springs Preserve“ ist allerdings ein Anachronismus: Die wachsende Bevölkerung der Spielerstadt hatte das Quellwasser schon 1969 restlos verbraucht. So half nur der mehrfach aufgestaute Colorado, den Bedarf zu decken.