Kategorie: Nordamerika, USA, Nevada

USA: Gondolieri in der Wüste

Von: Martin Wein (Text & Fotos)

Und der wächst weiter. Ausgerechnet in der Wüste sollen immer neue Wasser-Attraktionen den Besuchern ferne Welten suggerieren. Ohne ausgedehnte Pool-Landschaft wagt sich kein einziges Hotel an den Markt. Doch Verliebte können sich vor dem Kasino „Venetian“ auch in echten Gondeln an den Wahrzeichen des Canale Grande vorbeirudern lassen. Im „Mirage“ suggerieren rot beleuchtete Wassermassen zur vollen Stunde einen Vulkanausbruch. Und das Luxushotel „Bellagio“ wirbt alle 15 Minuten mit 1200 bis zu 140 Meter hohen Fontänen auf dem eigenen See für sich. Der Geschäftsmann und Entwickler Steve Wynn hat damit der Stadt ein neues Wahrzeichen geschenkt. In seinem eigenen „Wynn“-Resort lässt der Milliardär gleich sieben Wasserfälle in die Tiefe rauschen – umringt von dichtem Grün. „Das Wasser übertönt den Verkehrslärm. Ob in unserem Tryst-Nachtclub oder im japanischen Restaurant – man vergisst für einige Zeit, was außerhalb des Kasinos liegt“, verrät Pressesprecherin Andrea Moreno die Idee dahinter. Für die hoteleigene spektakuläre Show „Le Rêve“ – inspiriert vom gleichnamigen Picasso-Gemälde – ließ Wynn gar ein sieben Meter tiefes Wasserbecken mitten ins runde Theater bauen. Dort tanzen seit nunmehr neun Jahren jeden Abend 90 Akteure kopfunter Wasserballett – von Tauchern mit Sauerstoff versorgt – und Olympioniken springen aus 30 Meter Höhe hinein.

Auf den ersten Blick erscheint das alles wie ein fatales Missverständnis. „Doch die Hotelmagnaten sind sogar Vorreiter im Wassersparen“, beteuert ausgerechnet Quellenschützer Johnson. Tröpfchenbewässerung und Kunstrasen setzten sich dank der Hotels als Vorreiter inzwischen auch in Privathaushalten durch. Intelligente Beschattung für bessere Kühlung und sparsame Wasserhähne und Duschköpfe nutzten sie sowieso. Das 2009 eröffnete Aria-Ressort hat jüngst eine prestigeträchtige Goldmedaille vom U.S. Green Building Council für sein ressourcenschonendes Design eingeheimst. Was im „Wynn“ die Fälle hinab rauscht, wird immer wieder gefiltert und recycelt, bevor es schließlich auf dem Ressort-eigenen Golfplatz landet. Am Ende der Ausstellung zeigt Jonson auf einen Zeitstrahl. Der zeigt, wie Las Vegas gewachsen ist – und damit der Wasserbedarf. Lebten hier in den 80ern erst 570 000 Menschen mit einem Bedarf von jährlich 400 Milliarden Litern, so waren es zur Jahrtausendwende schon 1,6 Millionen und 700 Milliarden Liter. 2014 ist Las Vegas eine Zwei-Millionen-Stadt mit rund 40 Millionen Besuchern im Jahr, doch der Wasserverbrauch ist immerhin auf 628 Milliarden Liter gesunken. Und ein ganz neues Passivhaus im Außenbereich des „Preserve“ zeigt seit Neuestem, wie die Wüsten-Bewohner künftig noch mehr sparsamer leben können.