Kategorie: Europa

Griechenland: Im Schatten des Götterberges

Von: Martin Wein (Text + Fotos)

An den Flanken des Olymp stößt man allenthalben auf die Spuren Alexanders des Großen. Trotzdem sind Teile der Provinz Makedonien noch fast touristisches Niemandsland

Ein Porträt Alexanders des Großen im Museum seiner Geburtsstadt Pella.

Der Weg zu den Göttern ist beschwerlich. Kein Wunder, dass die alten Griechen davon absahen, dem promiskuitiven Zeus, seiner Gattin Hera und ihren Kindern einen persönlichen Besuch auf dem Olymp abzustatten. Das fast 3000 Meter hohe Kalksteinmassiv ragt noch heute Ehrfurcht erweckend als massiver Block über der Ebene Makedoniens.

Im Dörfchen Litochoro decken sich viele Bergsteiger für ihren Himmelssturm ein. Auch wer nur der Natur im Nationalpark ein Stück näher kommen will, schnürt hier seine Wanderschuhe. Ein gut markierter Pfad auf dem Fernwanderweg E4 führt vom Ortsausgang direkt hinein in den tief eingeschnittenen Canyon des Enipeas-Flusses. In Hunderten von Stufen und in stetigem Auf und Ab führt er hoch über dem Wasser der Schlucht. Scharfkantige Felswände rücken näher. Der Flusslauf sammelt sich in türkisgrünen Pools, bevor er immer wieder in rauschenden Kaskaden über eine Klippe stürzt. Wilde weiße Primeln, Buchsbaum und 30 Orchideen-Arten wuchern im Unterholz der Pappeln und Panzerkiefern. Greifvögel nutzen die Thermik über dem Tal für ihre Runden.

Über sieben hölzerne Brücken muss man gehen, um schließlich die weiß getünchte Kapelle mit der himmelblauen Tür zu erreichen, die Mönche des abgeschiedenen Klosters Agios Nikolaos unter einen Felssporn gebaut haben – für den Fall, dass es in ihrer Einöde zu geschäftig werden sollte. Die deutschen Besatzer haben das Kloster 1943 zerstört. Noch heute harrt es seiner Restaurierung. Trotzdem und trotz Schweiß treibender 1000 Höhenmeter vermittelt der fünfstündige Weg durch die Einsamkeit des Massivs einen guten Eindruck davon, warum der Olymp – heute ein Nationalpark – den Griechen seit jeher heilig war.

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