Kategorie: Europa

Griechenland: Im Schatten des Götterberges

Von: Martin Wein (Text + Fotos)

Auch ein Feldherr wie Alexander der Große kam hierher, um sich für große Taten mental zu rüsten. „334 sammelte Alexander auf dieser riesigen Fläche seine Truppen“, sagt der emeritierte Professor Athanasios Bintas. Er steht auf einer Wiese nur wenige Kilometer vom Fuß des Olymp entfernt. Dion heißt der Ort – Stadt der Götter. In der Antike war er das bedeutendste Orakel-Heiligtum in Nordgriechenland und seine kultischen Spiele konkurrierten mit denen von Olympia. 2000 Kultstatuen sollen die Römer nach ihrer Eroberung Makedoniens an den Tiber verschifft haben, ärgert sich Bintas noch heute.

Reste des großen Theaters sind erhalten, in dem Euripides seine letzten Tragödien Iphigenie in Aulis und Die Bakchen aufführen ließ, bevor er angeblich von wilden Hunden zerfleischt wurde. Auch Fundamente des Ceres-Tempels – die Patronin des Getreides begegnet Cornflakes-Essern noch heute im Wort Cerealien – liegen unter dem Blätterdach der Weißpappeln und die Reste der späteren römischen Stadt mit ihren Mauern, Thermen und Aborten. Erhalten hat sich alles nur, weil der Enipeas mit Sediment vom Olymp die Reste gnädig überspülte, die im Mittelalter Jahrhunderte als Steinbruch gedient hatten.

Neun Tage ließ Alexander hier seine Männer feiern und den neun Musen opfern. Doch fast hätte der Feldherr seinen Abmarsch nach Asien noch abgeblasen, denn ihm schwante ein böses Omen: „Das Standbild des Orpheus fing an zu schwitzen“, erzählt Bintas. Nur ein schlauer Priester habe Alexander schließlich doch beruhigt: „Er sagte, alle Dichter der Zukunft würden ins Schwitzen geraten ob Alexanders Großtaten“, amüsiert sich Bintas, der heute die kultischen Spiele und kulturellen Wettbewerbe mit einem Verein wiederbelebt.

Anders als die Akropolis in Athen, die Heiligtümer in Delphi oder Olympia oder die griechisch-orthodoxen Klöster auf dem Meteora-Felsen liegen die Ausgrabungen in Makedonien noch erkennbar abseits ausgetretener Touristenpfade. Dabei findet man sie nur wenige Kilometer im Hinterland der olympischen Riviera mit ihren schönen Stränden am Thermaischen Golf.